CNC-Maschinen & Mechanik

FTS, AGV und AMR: Fahrerlose Transporte in der CNC-Fertigung

Thema: CNC-Maschinen & Mechanik

Ein fahrerloses Transportsystem, kurz FTS, bewegt Material mit automatisch gesteuerten Fahrzeugen zwischen definierten Übergabestellen. Das einzelne Fahrzeug wird häufig FTF oder AGV genannt. Zum funktionierenden System gehören außerdem Auftragssteuerung, Navigation, Übergaben, Energieversorgung und ein zur Umgebung passendes Sicherheitskonzept.

Für eine CNC-Fertigung ist nicht allein entscheidend, ob ein Fahrzeug selbstständig fahren kann. Es muss das richtige Material zur passenden Zeit am richtigen Platz bereitstellen. In meiner Werkstatt ist kein solches System dokumentiert; meine bestätigte praktische Grundlage bleibt die selbst auf CNC umgerüstete Optimum BF 20. Das Beispiel erklärt einen industriellen Zusammenhang, kein vorhandenes Automationsprojekt.

FTS, AGV und AMR: Begriffe mit unterschiedlichem Fokus

BegriffEinordnung
FTSDas fahrerlose Transportsystem als Gesamtheit.
FTFEin einzelnes fahrerloses Transportfahrzeug.
AGVAutomated Guided Vehicle; international verbreitete Bezeichnung für ein automatisch geführtes Fahrzeug.
AMRAutonomous Mobile Robot; betont häufig flexible Navigation und selbstständige Routenanpassung.

In Herstellerbeschreibungen werden die Grenzen teilweise unterschiedlich gezogen. Aus dem Kürzel allein lässt sich nicht ablesen, ob ein Fahrzeug einer physischen Spur folgt, anhand von Landmarken navigiert oder seine Umgebung kartiert. Ebenso wenig belegt das Wort „autonom“ bereits die Eignung für beliebigen Mischverkehr mit Menschen.

Warum Fahrgeschwindigkeit nicht gleich Durchsatz ist

Umlaufzeit eines fahrerlosen TransportfahrzeugsTransportleistung: der gesamte Umlauf zählt20 s60 s20 s60 s40 s1 · Zwei Fahrten: je 60 m bei angenommenen 1 m/s2 · Beladen 20 s + Entladen 20 s + Warten 40 s3 · 20 + 60 + 20 + 60 + 40 = 200 s pro Auftrag4 · 3.600 / 200 = 18 Aufträge pro StundeOrange: Übergaben · Türkis: Fahrten · Grau: angenommene WartezeitVereinfachtes Einfahrzeugmodell · keine reale Flottenauslegung
Eigene Zeitbilanz mit proportionalen Segmentbreiten. Eine Transportaufgabe umfasst hier genau eine beladene Hinfahrt und eine leere Rückfahrt.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Umlaufzeit eines fahrerlosen TransportfahrzeugsTransportleistung: der gesamte Umlauf zählt20 s60 s20 s60 s40 s1 · Zwei Fahrten: je 60 m bei angenommenen 1 m/s2 · Beladen 20 s + Entladen 20 s + Warten 40 s3 · 20 + 60 + 20 + 60 + 40 = 200 s pro Auftrag4 · 3.600 / 200 = 18 Aufträge pro StundeOrange: Übergaben · Türkis: Fahrten · Grau: angenommene WartezeitVereinfachtes Einfahrzeugmodell · keine reale Flottenauslegung

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. Eine Transportaufgabe benötigt in diesem Modell eine 60 Meter lange Hinfahrt und dieselbe Strecke zurück. Bei konstant angenommenem 1 Meter pro Sekunde dauern beide Fahrten zusammen 120 Sekunden.
  2. Beladen und Entladen dauern jeweils 20 Sekunden, zusätzlich werden 40 Sekunden Warten angesetzt. Diese Nebenzeiten gehören zur Transportaufgabe.
  3. Der vollständige Umlauf beträgt 200 Sekunden. Beschleunigung, Kurven, Ladestopps und Störungen sind nicht zusätzlich modelliert.
  4. 3.600 Sekunden pro Stunde geteilt durch 200 ergeben 18 Aufträge pro Stunde. Dieser idealisierte Wert ist kein zugesicherter Durchsatz eines realen FTS.

Nur die 60 Sekunden Hinfahrt zu betrachten, würde rechnerisch 60 Aufträge pro Stunde ergeben. Tatsächlich benötigt unser Modell 200 Sekunden für den ganzen Umlauf und kommt auf 18. Diese Differenz entsteht ohne jede zusätzliche technische Störung allein durch die vollständigere Aufgabenbeschreibung.

Wird für eine erste Kapazitätsbetrachtung außerdem eine frei angenommene verfügbare Zeit von 80 Prozent angesetzt, ergeben sich 18 · 0,8 = 14,4 Aufträge pro Stunde im Mittel. Das ist ein Planungsbeispiel, keine allgemeine Verfügbarkeitsquote. Ob die 40 Sekunden Warten bereits bestimmte Verluste enthalten, muss klar sein, damit dieselbe Ursache nicht doppelt abgezogen wird.

Übergabestellen entscheiden über den Ablauf

Ich würde jede Station als eindeutige Schnittstelle beschreiben: Welcher Ladungsträger kommt an? Wie wird er positioniert? Woran erkennt das System eine freie Übergabe? Wann gilt die Last als sicher übernommen? Ein Transportauftrag ist nicht schon deshalb abgeschlossen, weil das Fahrzeug vor der Maschine steht.

Bei einer automatisierten Maschinenbeschickung müssen Fahrzeug, Übergabeeinrichtung und Maschine zusammenwirken. Ein Materialtransport zu einem Bereitstellplatz ist dabei eine andere Aufgabe als das direkte Einlegen eines Werkstücks in eine Spannung. Der Artikel zur Sondermaschinenplanung erläutert, wie Anforderungen und Schnittstellen konkret werden.

Navigation und Personenschutz getrennt bewerten

Die DGUV betrachtet bei automatisiert fahrenden Fahrzeugen ausdrücklich die betrieblichen Bereiche, Verkehrsverhältnisse und beteiligten Personen. Ein abgeschlossenes Areal ohne Zutritt stellt andere Anforderungen als ein Bereich mit komplexem Mischverkehr. Die jeweils einschlägigen Vorschriften für die Fahrzeugart bleiben zu beachten.

Eine Karte zur Navigation und eine Sicherheitsfunktion erfüllen unterschiedliche Zwecke. Hindernisse zu erkennen und die eigene Position zu berechnen ist nicht automatisch ein nachgewiesener Personenschutz. Schutzfelder, Bremsverhalten, Last, Sichtbedingungen, Übergabestellen und die Organisation des Verkehrs müssen im konkreten System bewertet werden. Einen pauschalen sicheren Abstand oder eine allgemein zulässige Geschwindigkeit leite ich daraus nicht ab.

Der VDI-Leitfaden behandelt zudem Verantwortlichkeiten über den Lebenszyklus. Eine geänderte Hallenaufteilung oder eine größere Fahrzeugflotte kann neue Fragen aufwerfen. Ein System ist deshalb nicht allein durch die erste erfolgreiche Probefahrt dauerhaft fertig eingerichtet. Betriebliche Veränderungen sollten geordnet bewertet und dokumentiert werden.

Flotte, Puffer und Ladezeiten zusammen planen

Mehr Fahrzeuge verdoppeln den Durchsatz nicht zwangsläufig. Treffen sie auf dieselbe enge Übergabestelle oder blockieren sich gegenseitig, kann der Engpass an anderer Stelle liegen. Für eine belastbare Auslegung werden reale Auftragsmuster, Fahrwege, Übergabezeiten und Ladebedarf benötigt. Ein Durchschnittswert allein beschreibt Lastspitzen nur unzureichend.

Eine FIFO-Bereitstellung kann die Materialreihenfolge ordnen, ersetzt aber keine Kapazitätsplanung. Ebenso muss die Lieferkettenplanung sicherstellen, dass das richtige Material überhaupt verfügbar ist. Lokale Transportoptimierung kann fehlende Freigaben oder falsche Zeichnungsstände nicht korrigieren.

Ein sinnvoller erster Prüfumfang

Ich würde zunächst eine klar begrenzte Transportaufgabe beschreiben und mit repräsentativen Lasten und Betriebsbedingungen prüfen lassen. Dazu gehören definierte Übergaben, nachvollziehbare Auftragszustände, Verhalten bei Unterbrechungen und ein geregelter Wiederanlauf. Der technische Nachweis und die notwendigen Sicherheitsprüfungen müssen zum jeweiligen System passen. Wirtschaftlichkeit ergibt sich anschließend aus den tatsächlich erreichten Abläufen und Kosten, nicht aus einem allgemeinen Automationsversprechen.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Produkt- und Verfahrensangaben gelten im jeweils beschriebenen Zusammenhang.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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