Messtechnik & Qualität

Ausschussquote berechnen: Nacharbeit und First Pass Yield trennen

Thema: Messtechnik & Qualität

Die Ausschussquote beschreibt den Anteil der als Ausschuss eingestuften Teile an einer eindeutig festgelegten Gesamtmenge. Sie ist von Nacharbeit und First Pass Yield zu unterscheiden. Ohne gemeinsame Zählgrenze, Zeitraum und Teilezuordnung können rechnerisch korrekte Prozentwerte trotzdem irreführen.

Eine Bohrung außerhalb der Toleranz macht ein Teil zunächst nichtkonform. Ob es zulässig nachgearbeitet werden kann oder endgültig aus der vorgesehenen Verwendung ausscheidet, ist eine weitere Entscheidung. Wer alle beanstandeten Teile sofort als Ausschuss zählt und erfolgreiche Nacharbeit später ignoriert, beschreibt eine andere Kennzahl als die endgültige Ausschussquote.

Zuerst festlegen, was gezählt wird

Für diesen Artikel verwenden wir eine abgeschlossene Charge und zählen jedes gestartete physische Teil genau einmal. Ausschuss bedeutet hier: Das Teil wird nach der abschließenden Entscheidung nicht für den vorgesehenen Zweck verwendet. Materialreste und Späne sind keine zusätzlichen Ausschussteile dieser Stückbilanz. Eine massenbezogene Materialausbeute benötigt eine andere Zählweise.

Ausschussquote = Ausschussteile / gestartete Teile × 100 %
Die Formel ist nur mit der dokumentierten Bezugsmenge aussagekräftig. Wenn noch Teile in Bearbeitung, Prüfung oder Nacharbeit sind, ist der endgültige Chargenstand offen.

Eine Beispielcharge vollständig nachrechnen

Teilebilanz einer Beispielcharge100 Teile: Ausschuss und Nacharbeit getrennt zählen100 gestartete Teile80sofort gut15zur Nacharbeit5direkt Ausschuss12 danach gutaus Nacharbeit3 Ausschussaus NacharbeitEndstand: 92 Gutteile + 8 Ausschussteile = 100 TeileAusschussquote 8 % · Nacharbeitsanteil 15 % · First Pass Yield 80 %Eigene abgeschlossene Beispielcharge · keine offenen oder doppelt gezählten Teile
Eigene Mengenbilanz mit frei gewählten Zahlen. Verzweigungen zeigen die Herkunft der Teile; die Grafik enthält keine Produktionsdaten meiner Werkstatt.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Teilebilanz einer Beispielcharge100 Teile: Ausschuss und Nacharbeit getrennt zählen100 gestartete Teile80sofort gut15zur Nacharbeit5direkt Ausschuss12 danach gutaus Nacharbeit3 Ausschussaus NacharbeitEndstand: 92 Gutteile + 8 Ausschussteile = 100 TeileAusschussquote 8 % · Nacharbeitsanteil 15 % · First Pass Yield 80 %Eigene abgeschlossene Beispielcharge · keine offenen oder doppelt gezählten Teile

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. Der Nenner ist festgelegt: 100 unterschiedliche Teile einer abgeschlossenen Beispielcharge wurden gestartet. Es gibt keine offenen Prüfentscheidungen.
  2. Nach dem ersten Durchlauf sind 80 Teile direkt gut, 15 benötigen Nacharbeit und 5 werden unmittelbar als Ausschuss eingestuft. Die Gruppen überschneiden sich nicht.
  3. Aus den 15 nachgearbeiteten Teilen werden 12 Gutteile. Die anderen 3 werden zusätzlich Ausschuss. Nacharbeit wird nicht als neue gestartete Teilemenge gezählt.
  4. Endstand: 80 + 12 = 92 Gutteile und 5 + 3 = 8 Ausschussteile. Ausschussquote 8 %, Nacharbeitsanteil 15 %, First Pass Yield 80 %. Die Kennzahlen beantworten verschiedene Fragen.
Kennzahl im BeispielRechnungErgebnis
Endgültige Ausschussquote(5 + 3) / 100 × 100 %8 %
Anteil der Teile mit Nacharbeit15 / 100 × 100 %15 %
First Pass Yield: direkt im ersten Durchlauf gut80 / 100 × 100 %80 %
Endgültige Gutteilausbeute(80 + 12) / 100 × 100 %92 %

Die Nacharbeitsquote wird hier über betroffene Teile definiert, nicht über die Anzahl der Nacharbeitsvorgänge. Ein Teil mit zwei Nacharbeitsdurchläufen zählt dafür weiterhin einmal. Zusätzliche Stunden und Durchläufe können separat erfasst werden. Diese Definition verhindert, dass dieselbe Arbeit je nach Datenexport unterschiedlich aussieht.

Warum 100 % minus Ausschuss nicht automatisch FPY ist

ASQ beschreibt First Pass Yield als Anteil der Einheiten, die einen Prozess ohne Ausschuss, erneuten Durchlauf oder entsprechende Nacharbeit erfolgreich durchlaufen. Im eigenen Beispiel bleiben deshalb 80 % FPY bestehen, obwohl am Ende 92 % Gutteile vorliegen. Die erfolgreiche Nacharbeit macht den ersten Durchlauf nicht nachträglich fehlerfrei.

Auch Vorne unterscheidet bei OEE zwischen sofort guten Teilen und Teilen, die Nacharbeit benötigen. Eine endgültige Gutteilmenge darf daher nicht ungeprüft als Qualitätsfaktor in eine andere Kennzahl übernommen werden. Für diesen Beitrag berechnen wir keine OEE, weil die erforderlichen Zeit- und Leistungsdaten fehlen.

Chargen zusammenfassen: Mengen gewichten

Zwei weitere eigene Beispiele zeigen einen häufigen Rechenfehler: Charge A hat 1 Ausschussteil bei 10 gestarteten Teilen, also 10 %. Charge B hat 1 bei 100, also 1 %. Das ungewichtete Mittel von 5,5 % beschreibt die gemeinsame Stückquote nicht. Zusammen sind es 2 Ausschussteile aus 110 Teilen: 2/110 × 100 % ≈ 1,82 %.

Für eine gemeinsame Quote werden deshalb zuerst die zusammengehörigen Mengen addiert. Die Gruppen müssen dieselbe Definition verwenden. Eine Quote für gefräste Einzelteile lässt sich nicht ohne Weiteres mit einer Quote für komplette Baugruppen vermischen. Ebenso braucht die Frage „Wie viel Geld ging verloren?“ eine Kostenbetrachtung statt nur Stückzahlen.

Ursachen sichtbar machen, statt nur eine Zahl zu senken

Ein brauchbarer Datensatz enthält Teil- oder Chargenkennung, Zeichnungsstand, Prozessschritt, Prüfergebnis, Fehlerart und abschließende Entscheidung. Bei einer Maßabweichung gehört dazu, was tatsächlich gemessen wurde. Das Messprotokoll und die Einordnung der Messabweichung helfen, Prüfbedingungen nachvollziehbar zu halten.

Für die Auswertung würde ich zunächst ähnliche Fehlerbilder zusammenfassen: falsche Lage, Maß außerhalb der Toleranz, beschädigte Oberfläche oder unvollständige Bearbeitung. Danach wird die Ursache untersucht. Eine Häufung nach dem Umspannen kann beispielsweise eine Prüfung der Bezugskette anstoßen; sie beweist noch nicht, dass der Nullpunkt die Ursache war.

Eine bestätigte Ursache kann in der FMEA und in Arbeitsunterlagen berücksichtigt werden. Eine geeignete Poka-Yoke-Maßnahme kann eine konkrete Verwechslung verhindern. Ob die Änderung wirkt, lässt sich nur mit vergleichbaren Daten vor und nach der Änderung beurteilen. Die bloße Umbenennung von Ausschuss in „Versuchsteil“ wäre keine Verbesserung.

Einzelteile und Lernversuche ehrlich einordnen

Bei kleinen Mengen schwankt die Prozentzahl stark: Ein Teil von fünf entspricht bereits 20 %. Deshalb würde ich im Modellbau immer die absoluten Mengen danebenstellen und geplante Versuche von freigegebener Fertigung unterscheiden. Ein Versuch liefert Erkenntnisse, sollte aber weiterhin Material- und Zeitaufwand sichtbar machen.

Meine Optimum BF 20 habe ich selbst auf CNC umgerüstet. Eine gemessene Ausschussquote dieses Umbaus liegt für den Beitrag nicht vor. Alle Zahlen sind eigene Lehrbeispiele. Sie zeigen, wie ich eine Bilanz nachvollziehbar aufbauen würde, ohne eine reale Fertigungsleistung zu erfinden.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Ausschussquote? Eine allgemeine Zielzahl wäre ohne Produkt, Anforderungen, Prozessreife und Zählweise wenig sinnvoll. Auch die Fehlerfolgen und der Nacharbeitsaufwand gehören zur Bewertung.

Zählt Nacharbeit immer zum Ausschuss? In der hier verwendeten endgültigen Stückbilanz nicht, wenn das Teil anschließend freigegeben wird. Für FPY bleibt der erste Durchlauf dennoch nicht erfolgreich.

Was gilt bei null gestarteten Teilen? Der Quotient ist nicht definiert. „Keine Fertigung“ sollte nicht als 0 % Ausschuss ausgegeben werden.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Produkt- und Verfahrensangaben gelten im jeweils beschriebenen Zusammenhang.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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