CNC-Maschinen & Mechanik

Geräuschentwicklung an CNC-Maschinen: Pegel, Dauer und Lärmminderung

Thema: CNC-Maschinen & Mechanik

Die Geräuschentwicklung einer CNC-Maschine hängt von Maschine, Werkzeug, Werkstoff, Betriebspunkt und Umgebung ab. Für den Arbeitsplatz zählen außerdem Aufenthaltsort und Einwirkdauer. Ein einzelner dB-Wert aus einem Datenblatt oder einer Handy-App beschreibt deshalb nicht automatisch die tatsächliche Lärmbelastung.

Spindel, Antriebe, Lüfter, Pumpen, Absaugung und Zerspanung können unterschiedliche Beiträge liefern. Bei meiner selbst auf CNC umgerüsteten Optimum BF 20 ist hier kein belastbarer Geräuschmesswert dokumentiert. Ich nenne deshalb keinen erfundenen Pegel und keine angeblich typische Lautstärke für genau diesen Umbau.

Welche Schallgröße ist gemeint?

GrößeBedeutung
Schalldruckpegel am MessortBeschreibt den Schall an einem bestimmten Ort unter definierten Bedingungen.
Schallleistungspegel der QuelleBeschreibt eine Quelle unter festgelegten Betriebsbedingungen; nicht mit dem Pegel am Ohr gleichsetzen.
Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8hBerücksichtigt Pegel und Dauer der persönlichen Exposition, bezogen auf acht Stunden.
Spitzenschalldruckpegel LpC,peakErfasst Spitzen mit C-Bewertung; wird zusätzlich zum Tageswert betrachtet.

dB(A) bezeichnet einen frequenzbewerteten Pegel. Die A-Bewertung ist kein vollständiges Modell der subjektiv empfundenen Lautheit. Auch Schallleistung und Schalldruck können beide als Pegel erscheinen; ohne Größenbezeichnung und Messbedingungen sind Zahlenvergleiche leicht irreführend.

Warum die Dauer zur Bewertung gehört

Einfluss der Einwirkdauer auf den Tages-LärmexpositionspegelGleicher Pegel, andere Dauer: eine andere Exposition1 · 90 dB(A) für 1 Stunde≈ 81,0dB(A)2 · 90 dB(A) für 2 Stunden≈ 84,0dB(A)3 · Bezugszeit: 8 Stunden; übrige Exposition hier vernachlässigt4 · Spitzenschall und weitere Tätigkeiten separat berücksichtigenRechenmodell · keine zulässige Aufenthaltszeit und kein Messwert meiner Werkstatt
Eigene Berechnung mit angenommenen Pegeln. Die hellen Stunden stehen für im Modell vernachlässigte Beiträge; sie bedeuten keine tatsächlich gemessene Stille.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Einfluss der Einwirkdauer auf den Tages-LärmexpositionspegelGleicher Pegel, andere Dauer: eine andere Exposition1 · 90 dB(A) für 1 Stunde≈ 81,0dB(A)2 · 90 dB(A) für 2 Stunden≈ 84,0dB(A)3 · Bezugszeit: 8 Stunden; übrige Exposition hier vernachlässigt4 · Spitzenschall und weitere Tätigkeiten separat berücksichtigenRechenmodell · keine zulässige Aufenthaltszeit und kein Messwert meiner Werkstatt

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  1. Eine Stunde mit einem angenommenen äquivalenten Pegel von 90 dB(A) wird auf acht Stunden bezogen. Ohne weitere relevante Exposition ergibt das rund 81 dB(A).
  2. Bei zwei Stunden mit demselben Pegel ergibt sich rund 84 dB(A). Die doppelte Einwirkdauer erhöht diesen Expositionswert um rund 3 dB.
  3. Die acht Kästchen sind die Bezugszeit und kein Vorschlag für einen Arbeitsplan. In einer realen Bewertung werden weitere Tätigkeiten und deren Dauer einbezogen.
  4. Der Spitzenschalldruckpegel wird zusätzlich betrachtet. Ein Tagesmittel beschreibt keine zulässige Einzelspitze und ist keine individuelle Unbedenklichkeitsgrenze.

Für einen einzigen konstanten Beitrag lautet das Modell LEX,8h = LAeq,T + 10 · log10(T / 8 h). Mit 90 dB(A) und T = 1 h ergeben sich 80,97 dB(A), bei 2 h 83,98 dB(A). Mehrere Tätigkeiten werden energetisch mit ihren Zeitanteilen zusammengeführt; ein arithmetischer Mittelwert der dB-Zahlen reicht nicht. Der IFA-Lärmexpositionsrechner erläutert diese Berechnung.

Auch zwei voneinander unabhängige, gleich starke Schallbeiträge mit jeweils 80 dB am selben Empfangsort ergeben zusammen rund 83 dB, nicht 160 dB. Voraussetzung ist eine energetische Addition unkorrelierter Beiträge unter passenden Bedingungen. Daraus lässt sich kein allgemeiner Faktor für subjektiv doppelte Lautheit ableiten.

Auslösewerte im Arbeitsschutz richtig lesen

Für Beschäftigte beschreibt das IFA die Gehörschutzanforderungen so: Werden die unteren Auslösewerte von LEX,8h > 80 dB(A) oder LpC,peak > 135 dB(C) überschritten, ist geeigneter Gehörschutz bereitzustellen. Ab Erreichen der oberen Werte von LEX,8h ≥ 85 dB(A) oder LpC,peak ≥ 137 dB(C) muss er bestimmungsgemäß verwendet werden. Weitere Pflichten und besondere persönliche Voraussetzungen sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Die häufige Kurzform „ab 80 dB immer Gehörschutzpflicht“ ist daher ungenau: Sie vermischt Größen und Maßnahmen. Die genannten Werte sind zugleich keine Aussage, dass jede private Tätigkeit darunter automatisch unbedenklich wäre. Für eine konkrete betriebliche Bewertung sind fachkundige Ermittlung und die geltenden Arbeitsschutzregeln maßgeblich; ein Lehrbeispiel ersetzt diese Bewertung nicht.

An der Ursache und am Übertragungsweg ansetzen

Zunächst würde ich dokumentieren, unter welchen Bedingungen das Geräusch auftritt: Leerlauf, Werkzeugkontakt, Pumpenbetrieb oder Absaugung. Eine Änderung während der Bearbeitung kann auf einen veränderten Prozess hinweisen, ist aber noch keine sichere Diagnose. Hier ergänzt die Schwingungsüberwachung die Betrachtung.

Mögliche technische Maßnahmen betreffen passende Werkzeuge und Prozessbedingungen, instand gehaltene Komponenten, geeignete Einhausung und die Schallübertragung in den Aufstellort. Eine Maßnahme muss zur Maschine passen. Lüftungsöffnungen zu verschließen oder Schutzfunktionen für einen leiseren Betrieb zu verändern kann neue Probleme verursachen. Akustische Maßnahmen werden deshalb zusammen mit Wärmeabfuhr, Zugänglichkeit und Sicherheit geplant. Das passende Maschinenhandbuch liefert die Ausgangsbedingungen.

Raumreflexionen und Körperschall können den Eindruck am Arbeitsplatz stark verändern. Eine Messung unmittelbar am Spindelgehäuse ist kein Ersatz für die Bewertung an der Position der arbeitenden Person. Nach einer Änderung sollten vergleichbare Betriebs- und Messbedingungen hergestellt werden, damit ein Unterschied überhaupt sinnvoll beurteilt werden kann.

Was eine brauchbare Messnotiz enthält

Ich würde Maschine und Betriebszustand, Werkzeug, Material, Drehzahl, Nebenaggregate, Messort, Messdauer, Messgerät und die ausgewertete Größe festhalten. Eine Smartphone-Anzeige kann höchstens einen orientierenden Vergleich liefern, sofern ihre Grenzen bekannt sind. Einen belastbaren Arbeitsschutznachweis oder eine Diagnose liefert sie nicht automatisch.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Produkt- und Verfahrensangaben gelten im jeweils beschriebenen Zusammenhang.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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