Fertigungsplanung & Organisation

Make or Buy: Eigenfertigung und Zukauf nachvollziehbar vergleichen

Thema: Fertigungsplanung & Organisation

Make or Buy bedeutet: Ein benötigtes Teil selbst fertigen oder einkaufen. Für eine kleine CNC-Werkstatt kann das eine einfache Distanzhülse, ein Laserteil oder eine komplette Baugruppe betreffen. Ein sinnvoller Vergleich beginnt mit derselben Zeichnung, derselben Stückzahl und demselben Lieferumfang. Ein unbearbeiteter Rohling und ein geprüftes, entgratetes Fertigteil sind keine gleichwertigen Angebote.

Dieser Beitrag behandelt die Entscheidung für einen konkreten Auftrag. Die langfristige Frage, welche Prozesse im eigenen Haus bleiben sollen, behandelt die Fertigungstiefe. Beide Betrachtungen hängen zusammen, haben aber unterschiedliche Zeithorizonte.

Welche Kosten ändern sich durch die Entscheidung?

Für den kurzfristigen Vergleich sind zukünftige Kosten und Erlöse relevant, die sich zwischen den Alternativen unterscheiden. Bereits bezahlte Entwicklungsarbeit verschwindet durch einen Fremdauftrag nicht. Auch eine unveränderte Werkstattmiete wird nicht allein dadurch eingespart, dass ein einzelner Auftrag extern gefertigt wird. Anders sieht es bei zusätzlichem Material, auftragsbezogenem Rüsten, Werkzeugverschleiß oder tatsächlich vermeidbaren Fremdleistungen aus.

Freie Maschinenkapazität und ausgelastete Maschinen müssen getrennt betrachtet werden. Verdrängt die Eigenfertigung einen anderen Auftrag, kann dessen entgangener Beitrag relevant werden. Diese Opportunitätskosten sind kein weiterer Lieferantenpreis, sondern der wirtschaftliche Wert der aufgegebenen Alternative. Ein pauschaler Maschinenstundensatz darf deshalb nicht ungeprüft zusätzlich zu bereits einzeln erfassten Kosten angesetzt werden.

Eigene Rechnung: zehn oder dreißig Teile?

Das folgende Lehrbeispiel nimmt gleiche Qualität, freie Kapazität und keine zusätzlichen Terminrisiken an. Alle Beträge sind einheitlich ohne Umsatzsteuer angesetzt. Die Zahlen sind frei gewählte Rechenannahmen und keine Angebote oder Marktpreise.

Vergleich festlegen – Kleines Los – Größeres Los – SchnittpunktEigene schematische Lehrgrafik, nicht maßstäblich. Die vier Schritte werden darunter als Text erklärt.1 · Vergleich festlegen120 € Rüsten + 8 €/Stück20 € Versand + 14 €/Stück2 · Kleines LosMake: 200 €Buy: 160 €10 Stück3 · Größeres LosMake: 360 €Buy: 440 €30 Stück4 · Schnittpunkt120 + 8q = 20 + 14qq = 100 / 6 ≈ 16,67Ab 17 Stück: Make günstiger

Station 1 von 4

Eigenfertigung: 120 Euro zusätzliches Rüsten plus 8 Euro je Gutteil. Zukauf: 20 Euro Versand plus 14 Euro je Gutteil.

  1. Eigenfertigung: 120 Euro zusätzliches Rüsten plus 8 Euro je Gutteil. Zukauf: 20 Euro Versand plus 14 Euro je Gutteil.
  2. Bei zehn Teilen entstehen intern 200 Euro, extern 160 Euro. In diesem Modell spart der Einkauf 40 Euro.
  3. Bei dreißig Teilen entstehen intern 360 Euro, extern 440 Euro. In diesem Modell spart Eigenfertigung 80 Euro.
  4. Gleichsetzen ergibt q = 16,67. Bei ganzen Stückzahlen ist die Eigenfertigung ab 17 Stück günstiger, solange alle Annahmen gelten.

Eigene Prinzipskizze. „Weiter“ zeigt die Schritte einzeln; „Start“ spielt sie automatisch ab. Die Wiedergabe ist pausierbar. Alle Erklärungen bleiben auch ohne Animation lesbar.

Die beiden Funktionen lauten Kmake = 120 + 8q und Kbuy = 20 + 14q. Aus 120 + 8q = 20 + 14q folgt 100 = 6q. Bei 16 Teilen kostet Make 248 Euro und Buy 244 Euro. Bei 17 Teilen sind es 256 Euro und 258 Euro. Der Wechsel liegt also tatsächlich zwischen diesen beiden Stückzahlen.

Die Grafik zeigt Gesamtkosten je Los. Die Balken innerhalb eines Vergleichsfelds verwenden denselben Maßstab; zwischen den Feldern wird unterschiedlich skaliert. Stückkosten erhält man erst durch Division durch die jeweilige Gutteilmenge. Für zehn Teile sind das 20 beziehungsweise 16 Euro, für dreißig Teile 12 beziehungsweise rund 14,67 Euro.

Was den Schnittpunkt verschiebt

Angenommen, die interne Vorbereitung dauert länger und erhöht den zusätzlichen Rüstaufwand von 120 auf 180 Euro. Dann lautet die Gleichung 180 + 8q = 20 + 14q; der Schnittpunkt steigt auf 26,67 Teile. Eigenfertigung ist unter diesen neuen Annahmen erst ab 27 ganzen Teilen günstiger. Die Rechnung zeigt, weshalb eine ungesicherte Rüstzeitschätzung eine scheinbar eindeutige Entscheidung kippen kann.

Ein zweiter Fall: Für ein Los von dreißig Teilen müssen intern zusätzlich 90 Euro für eine auftragsbezogene Vorrichtung bezahlt werden. Die internen Kosten steigen von 360 auf 450 Euro. Der unveränderte Zukauf kostet 440 Euro und liegt nun zehn Euro niedriger. Wird die Vorrichtung später nochmals genutzt, gehört diese Folgeentscheidung in einen ausdrücklich erweiterten Betrachtungszeitraum. Eine erhoffte Wiederholung sollte nicht stillschweigend als gesicherter Auftrag gelten.

Die einfachen Geraden gelten nicht bei jeder Bestellmenge. Mindestbestellwerte, Staffelpreise, Materialstangen mit Reststücken, zusätzliche Rüstvorgänge oder begrenzte Aufspannplätze erzeugen Sprünge. Deshalb zuerst die tatsächlich benötigten Losgrößen durchrechnen; den mathematischen Schnittpunkt anschließend als Orientierung verwenden.

Gleiche Qualität und vollständigen Umfang vergleichen

PrüfpunktFür beide Alternativen klären
GeometrieZeichnungsstand, Materialzustand, Toleranzen und Oberflächen
LieferumfangEntgraten, Beschichten, Reinigen, Verpacken und Transport
NachweisWelche Maße werden mit welcher Methode dokumentiert?
MengeBenötigte Gutteile statt nur gestarteter Rohteile
TerminVerfügbarkeit einschließlich Prüfung und möglicher Nacharbeit

Ein passender Prüfplan macht den Vergleich prüfbar. Lieferfähigkeit, Abhängigkeit, Änderungsreaktion und die Möglichkeit einer Ersatzbeschaffung gehören zusätzlich in die Entscheidung. Eine niedrigere Angebotssumme hilft wenig, wenn die Teile den vereinbarten Zweck oder Termin nicht erfüllen.

Eine kurze Entscheidungsvorlage für die Werkstatt

  1. Teil, Zeichnungsrevision, Gutteilmenge und Bedarfstermin festhalten.
  2. Für jede Alternative den vollständigen Leistungsumfang aufschreiben.
  3. Veränderliche Kosten, zusätzliche Einmalkosten und unveränderte Kosten getrennt erfassen.
  4. Kapazität prüfen und gegebenenfalls eine verdrängte Alternative bewerten.
  5. Mindestens einen ungünstigeren Mengen- oder Zeitfall rechnen.
  6. Qualität und Lieferfähigkeit prüfen, Entscheidung mit Annahmen datieren.

Nach dem Auftrag werden Plan und Ergebnis verglichen: Wie viele Gutteile kamen tatsächlich an, wie viel Vorbereitung war nötig und welche Nacharbeit fiel an? So verbessert sich die nächste Kalkulation. Die Daten zum Werkzeugverbrauch können dabei helfen, tatsächlichen Verbrauch von bloßen Lagerausgaben zu trennen. Entscheidend bleibt ein Vergleich auf derselben sachlichen Grundlage.

Quellen und fachliche Grundlagen

Quellen geprüft am 28. Oktober 2026. Zahlenbeispiele und Grafiken sind eigene, vereinfachte Lehrbeispiele.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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