CNC-Maschinen & Mechanik

Riementrieb: Zahnriemen, Übersetzung und Steifigkeit verstehen

Thema: CNC-Maschinen & Mechanik

Ein Riementrieb überträgt Bewegung zwischen Scheiben. Zahnriemen nutzen den Eingriff ihrer Zähne, Keil- und Flachriemen überwiegend Reibung. Aus der gemeinsamen Bezeichnung „Riemen“ folgen deshalb weder dieselbe Schlupfeigenschaft noch eine bestimmte Positioniergenauigkeit.

Für einen CNC-Umbau muss zuerst die Aufgabe feststehen: Soll der Riemen eine Spindel antreiben, zwei Wellen mit einer festen Übersetzung verbinden oder einen Schlitten bewegen? Diese Anwendungen belasten Riemen, Scheiben und Lager unterschiedlich. Ein verbreitetes Zahnprofil ist keine allgemeine Empfehlung für jede Maschine.

Zahnriemen und reibschlüssige Riemen unterscheiden

BauartÜbertragungsprinzipWichtige Grenze
ZahnriemenZähne greifen in passende Scheiben ein.Zahnüberspringen, elastische Verformung und Fehler im Aufbau bleiben möglich.
KeilriemenKraftübertragung durch Reibung an den Flanken.Vorspannung, Reibbedingungen und Schlupf beeinflussen den Betrieb.
FlachriemenReibung zwischen Riemen und Lauffläche.Lauf, Spannung und Kontaktbedingungen müssen zur Aufgabe passen.

Ein synchroner Zahnriementrieb ist im normalen Eingriff nicht als absichtlich durchrutschende Überlastsicherung zu behandeln. Der Zugstrang kann sich trotzdem elastisch dehnen. „Kein regelmäßiger Schlupf“ ist daher etwas anderes als „unendlich steif“ oder „ohne Positionsabweichung“.

Eine Übersetzung aus den Zähnezahlen ableiten

Wir betrachten einen idealisierten, offenen Zahnriementrieb mit 20 Zähnen an der antreibenden und 40 Zähnen an der angetriebenen Scheibe. Wenn die kleine Scheibe einmal umläuft, bewegt sie 20 Teilungen weiter. Die große Scheibe hat damit erst die Hälfte ihrer 40 Teilungen durchlaufen. Für die Drehzahlbeträge gilt n₂ = n₁ · z₁/z₂.

Zahnriemen: 20 Zähne treiben 40 ZähneZahnriemen: 20 Zähne treiben 40 Zähne1 · ZähnezahlenAntrieb z₁ = 20Abtrieb z₂ = 402 · Drehzahln₁ = 1.200 U/minn₂ = 600 U/min3 · Drehmoment idealM₁ = 1,0 NmM₂ = 2,0 Nm4 · Mit VerlustenAngenommen: η = 0,95M₂ = 1,90 NmEigene Lehrrechnung · keine Daten der umgebauten BF 20
Eigene Rechnung für konstante Drehzahlen. Der Wirkungsgrad 0,95 ist nur eine Annahme; er beschreibt kein bestimmtes Riemenprodukt.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Zahnriemen: 20 Zähne treiben 40 ZähneZahnriemen: 20 Zähne treiben 40 Zähne1 · ZähnezahlenAntrieb z₁ = 20Abtrieb z₂ = 402 · Drehzahln₁ = 1.200 U/minn₂ = 600 U/min3 · Drehmoment idealM₁ = 1,0 NmM₂ = 2,0 Nm4 · Mit VerlustenAngenommen: η = 0,95M₂ = 1,90 NmEigene Lehrrechnung · keine Daten der umgebauten BF 20

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. 20 angetriebene Teilungen entsprechen einer halben Umdrehung der Scheibe mit 40 Zähnen. Der Betrag der Untersetzung ist 2.
  2. Bei 1.200 U/min an der kleinen Scheibe ergeben sich ideal 600 U/min an der großen Scheibe.
  3. Bei verlustfreier Übertragung und konstantem Betrieb verdoppelt sich das Drehmoment von 1,0 auf 2,0 Nm. Die Leistung wird dadurch nicht verdoppelt.
  4. Mit angenommenem Wirkungsgrad 0,95 ergibt sich M₂ = 1,0 · 2 · 0,95 = 1,90 Nm. Reale Beschleunigung und Lastspitzen benötigen eine eigene Betrachtung.

Riemenspannung ist eine Auslegungsgröße

Gates berücksichtigt bei der Auslegung unter anderem Drehzahl, Scheibengrößen, Riemenbreite, Länge und Zahneingriff. Für die Spannung stellt der Hersteller eine eigene Berechnung bereit. „So straff wie möglich“ ist keine sinnvolle Methode: Mehr Vorspannung verändert auch die Belastung von Wellen und Lagern.

Die passende Spannung muss zum konkreten Riemensystem gehören und mit einem geeigneten Verfahren eingestellt werden. Scheibenfluchtung, Befestigung, Achsabstand und Zustand der Zähne beeinflussen den Lauf ebenfalls. Ein korrekt eingestellter Riemen kann eine lose Nabe nicht ausgleichen.

Elastizität und Genauigkeit getrennt beurteilen

Ein vereinfachtes Rechenmodell zeigt den Einfluss der Nachgiebigkeit: Angenommen, der gesamte betrachtete Antriebsweg besitzt eine wirksame lineare Steifigkeit von 2.000 N/mm. Bei 100 N zusätzlicher Kraft ergibt F/k eine zusätzliche Verformung von 0,05 mm. Dieser Wert ist frei gewählt und gilt nur für das definierte Ersatzmodell, nicht für einen beliebigen Riemen.

Bei einer Achse ist außerdem wichtig, wo die Position erfasst wird. Ein Motorgeber sieht eine Verformung hinter dem Motor nicht automatisch als tatsächliche Tischabweichung. Das erläutert direkte und indirekte Wegmessung. Eine feinere Schrittauflösung allein beseitigt diesen mechanischen Zusammenhang nicht.

Eine sinnvolle Auswahl beginnt mit Daten

  • Drehzahl, Drehmoment, Beschleunigung und Lastwechsel erfassen.
  • Geometrie, Übersetzung und verfügbare Einbauräume festlegen.
  • Riemenprofil, Breite und Scheiben als zusammengehöriges System auswählen.
  • Wellen, Lager und Nabenbefestigungen mit berücksichtigen.
  • Montage, Schutzabdeckung und Wartung nach den tatsächlichen Unterlagen planen.

Der Vergleich mit einem Zahnradgetriebe oder einer Kupplung ist erst bei gleicher Aufgabe aussagekräftig. Meine Optimum BF 20 habe ich selbst auf CNC umgerüstet. Welcher Antrieb dort verwendet wird, ist hier nicht dokumentiert; die Beispiele sind eine Grundlage für den Retrofit-Plan, keine Teileempfehlung für meinen Aufbau.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Befehlsdetails gelten jeweils für die genannte Steuerung.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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