Fräsen, Drehen & Zerspanung

Tiefbohren: L/D, Einlippenbohrer, BTA und Ejektor verstehen

Thema: Fräsen, Drehen & Zerspanung

Tiefbohren bezeichnet die Herstellung von Bohrungen mit großem Verhältnis von Tiefe zu Durchmesser. Häufig wird etwa 10:1 als Orientierung verwendet. Entscheidend sind das passende Werkzeugsystem, seine Führung und eine funktionierende Spanabfuhr – ein langer Bohrer oder ein G83-Aufruf allein reicht dafür nicht.

Eine kleine Bohrung kann bereits bei überschaubarer Bauteillänge anspruchsvoll werden. Für die Planung hilft deshalb zuerst eine saubere Zeichnung: Welcher Abschnitt muss den vollen Durchmesser besitzen, wo liegt die Bohrerspitze, und welche Form- und Lagetoleranzen werden benötigt? Angaben zur Tiefe und zur nutzbaren Werkzeuglänge dürfen dabei nicht verwechselt werden.

Was L/D aussagt – und was offenbleibt

Im eigenen Lehrbeispiel beträgt der Durchmesser D = 6 mm und die betrachtete Bohrtiefe L = 100 mm. Daraus folgt L/D = 16,7. Eine zweite Bohrung mit D = 20 mm und gleicher Tiefe hat dagegen L/D = 5. Das Verhältnis beschreibt die Schlankheit der Bohrung. Es sagt weder eine erreichbare Geradheit voraus noch gibt es eine Maschine für den Einsatz frei.

UNISIG nennt in seiner Verfahrenseinordnung typischerweise 10:1 oder mehr. Diese Orientierung ist keine Grenze, oberhalb der Spiralwerkzeuge grundsätzlich unmöglich wären: botek bietet auch speziell ausgelegte spiralisierte Tieflochbohrer mit Innenkühlung an. Der zulässige Einsatzbereich gehört zum konkreten Werkzeug und Prozess.

Einlippenbohren, BTA und Ejektor unterscheiden

VerfahrenKühlschmierstoff zur SchneideSpäne aus der Bohrung
EinlippenbohrenDurch einen Kanal im WerkzeugMit der Flüssigkeit entlang der äußeren V-förmigen Längsnut
BTAAußen am Bohrrohr im Ringraum der Bohrung; Zuführung und Abdichtung über den BohrölzuführapparatDurch das Innere des Bohrrohrs
EjektorIm Ringraum zwischen Außen- und InnenrohrDurch das Innenrohr; Zweirohrsystem mit passendem Anschlussstück

Die Strömungswege erklären, warum ein Verfahren nicht durch den Austausch der Schneide nachgebildet wird. Das Ejektorsystem benötigt nach botek keine Abdichtung am Werkstück wie das klassische BTA-System. Trotzdem müssen Werkzeug, Anschluss, Versorgung und Maschine zusammenpassen. Produktabhängige Durchmesserbereiche sind keine allgemeine Definition der Verfahren.

Die Auswahl Schritt für Schritt

Tiefbohren: Geometrie und Verfahren trennenTiefbohren: Geometrie und Verfahren trennen01L/D berechnen100 mm / 6 mm = 16,702EinlippenbohrenZufuhr innen · Rücklauf außen03BTA / EjektorSpanrücklauf im Rohr04GesamtsystemFührung · Flüssigkeit · AblaufDie Stationen werden nacheinander hervorgehoben.
Eigene schematische Übersicht. Die vier Stationen erläutern die Auswahl; sie sind kein ausführbarer Bohrzyklus.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Tiefbohren: Geometrie und Verfahren trennenTiefbohren: Geometrie und Verfahren trennen01L/D berechnen100 mm / 6 mm = 16,702EinlippenbohrenZufuhr innen · Rücklauf außen03BTA / EjektorSpanrücklauf im Rohr04GesamtsystemFührung · Flüssigkeit · AblaufDie Stationen werden nacheinander hervorgehoben.

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. Geometrie lesen: Eine 100 mm tiefe Bohrung mit 6 mm Durchmesser hat L/D = 100/6 ≈ 16,7. Das Verhältnis allein wählt noch kein Werkzeug.
  2. Verfahren wählen: Beim Einlippenbohren gelangt Kühlschmierstoff durch das Werkzeug zur Schneide. Die äußere Längsnut führt Späne und Flüssigkeit zurück.
  3. System unterscheiden: BTA führt die Späne im Bohrrohr zurück; das Ejektorsystem verwendet dafür ein Innenrohr. Die erforderlichen Anschlüsse unterscheiden sich.
  4. Prozess freigeben: Führung, ungestützte Länge, Spanabfuhr und Herstellerablauf prüfen. Erst danach werden Schnittdaten und Steuerungsbewegungen festgelegt.

Warum G83 nicht automatisch der richtige Ablauf ist

Ein G83-Tieflochbohrzyklus beschreibt steuerungsabhängige Zustell- und Rückzugsbewegungen. Ob ein solches Entspanen vorgesehen ist, entscheidet das Werkzeugverfahren. Einlippen- und spezielle Tieflochbohrer können eine definierte Pilotführung sowie eine besondere Ein- und Ausfahrfolge verlangen. Eine pauschale Empfehlung „immer pecken“ ist deshalb ebenso ungeeignet wie „niemals zurückziehen“.

In der botek-Broschüre für Bearbeitungszentren sind Pilotführung, begrenzte ungestützte Werkzeuglänge und ein vorgeschriebener Ablauf ausdrücklich beschrieben. Ein schlankes Werkzeug darf nicht ungestützt auf Arbeitsdrehzahl gebracht werden. Für eine konkrete Anwendung ist die aktuelle Anleitung des genauen Werkzeugtyps maßgeblich; allgemeine G-Code-Beispiele ersetzen sie nicht.

Vor der Bearbeitung diese Daten zusammenstellen

Ein brauchbares Planungsblatt nennt Werkstoff und Zustand, Bohrungsdurchmesser, Volltiefe und Spitzenraum, Sack- oder Durchgangsloch, Querbohrungen, Eintrittsfläche und geforderte Prüfmerkmale. Hinzu kommen Werkzeugtyp, Halter, Führung, verfügbare Maschinenwege sowie die geforderte Flüssigkeitsmenge und der zulässige Druck. Die Hochdruck-Kühlschmierstoffversorgung muss am tatsächlichen Prozess beurteilt werden: Ein hoher Pumpennennwert allein beweist keinen ausreichenden Volumenstrom an der Schneide.

Die Prüfung folgt der Zeichnung. Ein Messwert am Eingang belegt weder den Durchmesser über die gesamte Länge noch die Geradheit. Für kritische Merkmale muss vor Fertigungsbeginn feststehen, mit welchem Messverfahren sie zugänglich sind. Das Messprotokoll sollte Messort, Methode und Zustand des Bauteils festhalten.

Einordnung für meine BF 20

Meine Optimum BF 20 habe ich selbst auf CNC umgerüstet. Daraus ergibt sich keine bestätigte Tiefbohrfähigkeit. Ohne dokumentierte Werkzeugführung, Kühlmittelversorgung und Maschineneignung wäre es unredlich, hier einen erprobten Arbeitsablauf für meinen Umbau zu behaupten. Für ein reales Bauteil würde ich zunächst auch prüfen, ob eine andere Konstruktion oder eine extern gefertigte Bohrung die Aufgabe besser löst.

Häufige Fragen

Garantiert Tiefbohren eine bestimmte Genauigkeit? Nein. Durchmesser, Geradheit, Rundheit und Rauheit sind getrennte Anforderungen und müssen für den konkreten Prozess nachgewiesen werden.

Reicht ein entsprechend langer Spiralbohrer? Seine Länge allein genügt nicht. Schneidengeometrie, Führung, Spanraum und Versorgung müssen zur Bohrung passen.

Ist Innenkühlung bei allen Verfahren gleich? Nein. Einlippen-, BTA- und Ejektorverfahren nutzen unterschiedliche Zu- und Rücklaufwege. „Innenkühlung“ ist als alleinige Beschreibung zu ungenau.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Produkt- und Verfahrensangaben gelten im jeweils beschriebenen Zusammenhang.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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