CNC-Override: Vorschub, Drehzahl und Eilgang richtig einordnen
Thema: CNC-Steuerung & Achsen
Am CNC-Bedienfeld wirken Prozentanzeigen schnell selbsterklärend. Entscheidend ist aber, auf welchen Wert sich die Anzeige bezieht und welcher Modus aktiv ist. 50 % Vorschub bedeutet im hier verwendeten G94-Rechenbeispiel die Hälfte des programmierten Vorschubs in mm/min. Es bedeutet nicht automatisch halb so große Spanungsdicke, halbe Belastung oder halbes Kollisionsrisiko.
Die drei Eingriffe auseinanderhalten
| Eingriff | Verändert | Vorher klären |
|---|---|---|
| Vorschub-Override | Den angewendeten Vorschubfaktor. | Vorschubmodus, wirksame Grenzen und gesperrte Betriebsfälle. |
| Spindel-Override | Den angewendeten Drehzahlfaktor. | Zulässige Drehzahl und Wirkung auf die Schnittbedingungen. |
| Eilgang-Override | Eilgangbewegungen gemäß Steuerung. | Separate Stufen und Verhalten beim Testlauf. |
Bedienbereich und Rücksetzverhalten sind hersteller- und konfigurationsabhängig. Haas dokumentiert getrennte Overrides und Einstellungen, die diese sperren oder bei bestimmten Ereignissen zurücksetzen können. LinuxCNC kennt beispielsweise M48/M49 sowie getrennte Befehle M50 und M51 zum Freigeben beziehungsweise Sperren. Daraus folgt: Ein vorhandener Regler muss nicht in jedem Programmschritt wirksam sein.
Ein Prozentwert lässt sich nachrechnen
Für das eigene Lehrbeispiel gelten G94, 600 mm/min programmierter Vorschub, 12.000 min⁻¹ programmierte Drehzahl und zwei wirksame Zähne. Die Zahlen sind bewusst nur Rechengrößen; sie beschreiben weder ein Werkzeug noch die erreichbare Drehzahl meiner Maschine. Solange keine zusätzliche Begrenzung eingreift, gilt: neuer Vorschub = programmierter Vorschub × Override / 100.
| Vorschub-Override | Rechenwert bei F600 |
|---|---|
| 50 % | 300 mm/min |
| 75 % | 450 mm/min |
| 100 % | 600 mm/min |
| 120 % | 720 mm/min – nur wenn dieser Bereich überhaupt freigegeben ist. |
Eine Maschine muss diesen Sollwert nicht jederzeit erreichen. Kurze Wege, Beschleunigungen und Achsgrenzen können die tatsächliche Bahngeschwindigkeit begrenzen. Deshalb sollte man programmierte, übersteuerte und tatsächlich angezeigte Werte nicht unbesehen gleichsetzen; der Zusammenhang zur Bahn steht unter Diagonalvorschub.
Warum Drehzahl und Vorschub zusammengehören
Für das Fräsen lautet der Zusammenhang vf = fz × n × zeff. Umgestellt ergibt sich fz = vf / (n × zeff). Wird nur der Vorschub halbiert, halbiert sich in diesem Rechenmodell der Vorschub pro Zahn. Werden Vorschub und Drehzahl gemeinsam halbiert, bleibt er gleich; die Schnittgeschwindigkeit bleibt dabei nicht gleich.
Das Prinzip in Bewegung
Die Animation startet nur auf Wunsch. Pause hält die Zwischenposition fest; Weiter zeigt einzelne Stationen. Lerngeschwindigkeit, keine Steuerungssimulation. Grafik und folgende Liste erklären das Beispiel auch ohne Bewegung.
- Ausgangslage: 100 % Vorschub und 100 % Drehzahl. 600 / (12.000 × 2) = 0,025 mm/Zahn.
- Nur Vorschub auf 50 %: 300 / (12.000 × 2) = 0,0125 mm/Zahn.
- Auch Drehzahl auf 50 %: 300 / (6.000 × 2) = 0,025 mm/Zahn.
- Vorschub wieder 100 %, Drehzahl noch 50 %: 600 / (6.000 × 2) = 0,0500 mm/Zahn.
Override, Feed Hold und Not-Halt sind verschiedene Funktionen
Ein reduzierter Vorschub korrigiert keine falsche Koordinate. Auch mit 10 % kann eine falsch geplante Bahn in ein Spannmittel führen. Ein Eilgang kann wiederum einem eigenen Override folgen. Die Prüfung der Nullpunkte und des ausgegebenen Programms bleibt deshalb erforderlich.
Feed Hold ist ebenfalls kein allgemeines „alles aus“. Im Haas-Handbuch bleibt die Spindel bei Feed Hold eingeschaltet; außerdem sind Ausnahmen etwa für Gewindebohrzyklen, Verweilzeiten und Hilfsachsen beschrieben. Welche Stoppfunktion in einer konkreten Situation vorgesehen ist, ergibt sich aus der Maschine und ihrer Betriebsanleitung. Einen Override auf 0 % zu drehen ist kein Ersatz für Not-Halt.
Änderungen nachvollziehbar übernehmen
- Vor dem Lauf die tatsächlich aktiven Faktoren und Betriebsarten ablesen.
- Eine Änderung zusammen mit Werkzeug, Material, Eingriff und Beobachtung dokumentieren.
- Nicht aus einem angenehmeren Geräusch allein auf korrekte Schnittdaten schließen.
- Eine bestätigte Prozessänderung im CAM beziehungsweise NC-Programm nachvollziehbar übernehmen und neu prüfen.
- Vor dem nächsten Auftrag den vorgesehenen Ausgangszustand kontrollieren.
Meine Werkstattgrundlage ist die selbst auf CNC umgerüstete Optimum BF 20. Welcher Regler dort welche Funktion hat, hängt von der konkret verbauten Steuerung ab und wird hier nicht erfunden. Für den nächsten Schritt verbinden NC-Grundbefehle und Programmtest die Bedienung mit der Programmwirkung.
Quellen und fachliche Einordnung
Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Befehlsdetails gelten jeweils für die genannte Steuerung.