CNC-Programmierung & G-Code

Koordinaten beim Fräsen: Achsen, Nullpunkt und Vorzeichen

Thema: CNC-Programmierung & G-Code

Koordinaten beim Fräsen beschreiben die Lage des Werkzeugs relativ zum Werkstück. X, Y und Z werden erst durch Achsrichtungen, Einheit und gewählten Nullpunkt eindeutig.

Drei Zahlen wirken einfach. In der Werkstatt wird es interessant, sobald sich der Tisch bewegt, eine andere Werkstückseite aufgespannt wird oder die Anzeige zwischen Maschinen- und Werkstückkoordinaten wechselt. Dann hilft eine klare Skizze mehr als das Auswendiglernen einer vermeintlich immer richtigen Bauteilecke.

X, Y und Z im kartesischen Modell

Für ein einfaches Fräsmodell verwenden wir drei rechtwinklige lineare Achsen. Die Grafik zeigt die XY-Ebene von der positiven Z-Seite aus: X nach rechts, Y nach oben; positive Z-Werte zeigen zum Betrachter. Das ist eine festgelegte Betrachtung des Koordinatensystems, keine universelle Ansicht jeder Maschine von vorne.

Die programmierte Bewegung wird als Bewegung des Werkzeugs relativ zum Werkstück verstanden. Bewegt sich bei feststehendem Werkzeug der Tisch nach links, bewegt sich das Werkzeug relativ zum Werkstück nach rechts. Mechanischer Tischweg und programmierter Werkzeugweg können deshalb entgegengesetzt aussehen. Welche Baugruppe tatsächlich fährt, bestimmt der Maschinenaufbau.

Den Werkstücknullpunkt bewusst wählen

Der Werkstücknullpunkt kann zum Beispiel an einer Ecke, in der Mitte einer Bohrung oder auf einer Symmetrieachse liegen. Sinnvoll ist ein Bezug, der zu Zeichnung, Aufspannung und Messmöglichkeit passt. Die oft gezeichnete linke vordere obere Ecke ist eine mögliche Wahl, keine allgemeine Pflicht.

In der folgenden eigenen Lehrgeometrie liegt W bei X0, Y0. Wir betrachten die Punkte A(10|10), B(30|20), C(60|20) und D(60|50). Die Zahlen beschreiben eine ebene Bahn. Sie sagen nichts über eine geeignete Z-Höhe, Werkzeuglänge oder kollisionsfreie Aufspannung aus.

Vier Punkte im WerkstücksystemVier Punkte im Werkstücksystem+X+YWA (10|10)B (30|20)C (60|20)D (60|50)Lehrgeometrie · kein Maschinenlauf · Blick von +Z auf XY
Eigene XY-Fachgrafik. Der orange Punkt kennzeichnet die betrachtete Position; W bleibt an derselben Stelle.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Vier Punkte im WerkstücksystemVier Punkte im Werkstücksystem+X+YWA (10|10)B (30|20)C (60|20)D (60|50)Lehrgeometrie · kein Maschinenlauf · Blick von +Z auf XY

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. A liegt 10 mm in positiver X- und 10 mm in positiver Y-Richtung von W entfernt.
  2. B liegt bei X30, Y20. Von A aus sind das +20 mm in X und +10 mm in Y.
  3. C liegt bei X60, Y20. Auf diesem Abschnitt ändert sich nur X; Y bleibt 20 mm.
  4. D liegt bei X60, Y50. Nun ändert sich nur Y; X bleibt 60 mm.

Absolutmaß und Relativmaß

AngabeBedeutung im BeispielErgebnis ab A
G90 X30 Y20Zielkoordinaten im aktiven SystemB bei X30, Y20
G91 X20 Y10Änderungen gegenüber der StartpositionEbenfalls B bei X30, Y20
G90 X30Neue X-Zielkoordinate; Y bei einfachem G1 unverändertX30, Y10
G90 X30 Y0Y wird ausdrücklich auf null programmiertX30, Y0

Die letzten beiden Zeilen sind bewusst verschieden: Eine ausgelassene Achsadresse bedeutet bei dem hier betrachteten einfachen G1-Satz nicht null. Sonderfunktionen und Zyklen haben eigene Regeln. Deshalb darf man diese Leseregel nicht ungeprüft auf jeden beliebigen Befehl übertragen.

Was ein negatives Z bedeutet

Wird die Werkstückoberfläche als Z0 gewählt, liegt eine darunterliegende Ebene im üblichen Fräsmodell bei negativem Z. Bei einem anderen Ursprung können dieselben räumlichen Punkte andere Zahlen erhalten. Aus dem Vorzeichen allein lässt sich daher keine sichere Aussage wie „negativ ist immer im Material“ ableiten.

Auch Werkzeuglängenkorrektur und Bezugspunkt des Werkzeugs gehören zur Interpretation. Eine Koordinate beschreibt eine vorgesehene Lage; ob der Fräser, sein Halter oder eine andere Maschinenkomponente dort frei bleibt, ist eine weitere Prüfung. Diese Trennung ist beim Lernen hilfreicher als eine scheinbar universelle Z-Sicherheitszahl.

Ein kleiner Lesetest

Zeichne W und A auf Papier. Trage zunächst das absolute Ziel X30, Y20 ein und berechne danach den Weg von A dorthin. Verschiebe anschließend W um einen frei gewählten Betrag und untersuche, welche Zahlen sich ändern. Damit trennst du Form, Lage und Wegangabe voneinander, ohne die Maschine zu bewegen.

Die Grundlagen zum Bezug findest du bei Referenzfahrt und Werkstücknullpunkt. Den Wechsel der Maßangabe erklärt G90 und G91; die gleichzeitige XY-Bewegung behandelt der Diagonalvorschub.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Befehlsdetails gelten jeweils für die genannte Steuerung.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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