CNC-Programmierung & G-Code

Relativmaß-Programmierung: G91 und G90 im Vergleich

Thema: CNC-Programmierung & G-Code

Bei der Relativmaß-Programmierung beschreiben Achswerte den Weg ab der aktuellen Position. G91 verändert die Interpretation der Wegangaben; der Werkstücknullpunkt wandert dadurch nicht mit.

Die Frage lautet entweder „Wo soll das Werkzeug hin?“ oder „Wie weit soll es von hier aus fahren?“. Beides kann dieselbe Kontur beschreiben. Der Unterschied liegt in den Zahlen und in der Information, die man zum Verstehen des nächsten Satzes braucht. Gerade an einer selbst auf CNC umgerüsteten Maschine wie meiner BF 20 möchte ich diese Unterscheidung sauber nachvollziehen können.

G90 und G91 an derselben Bahn

Wir verwenden die XY-Punkte A(10|10), B(30|20), C(60|20) und D(60|50). Alle Werte sind Millimeter im selben Werkstücksystem. A ist die vorausgesetzte Startposition. Es gelten ein einfacher kartesischer Aufbau und keine zusätzlichen Transformationen oder Werkzeugradiuskorrekturen.

AbschnittZiel bei G90Weg bei G91
A → BX30 Y20X20 Y10
B → CX60 Y20X30 Y0
C → DX60 Y50X0 Y30

Für den ersten Abschnitt ergibt sich X10 + 20 = X30 und Y10 + 10 = Y20. Der zweite Abschnitt addiert weitere 30 mm in X. Die beiden Schreibweisen sind geometrisch gleichwertig, wenn Anfangszustand, Befehlsfolge und übrige Einstellungen übereinstimmen.

G90-Ziele und G91-WegeG90-Ziele und G91-Wege+X+YWA (10|10)B (30|20)C (60|20)D (60|50)Lehrgeometrie · kein Maschinenlauf · Blick von +Z auf XY
Eigene Lehrbahn. Alle vier Punkte behalten dieselben Werkstückkoordinaten, auch wenn das Programm relative Wege verwendet.

Das Prinzip Schritt für Schritt

G90-Ziele und G91-WegeG90-Ziele und G91-Wege+X+YWA (10|10)B (30|20)C (60|20)D (60|50)Lehrgeometrie · kein Maschinenlauf · Blick von +Z auf XY

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. Start A: X10, Y10. Dieser Anfangszustand muss bekannt sein.
  2. Ziel B: X30, Y20. Relativer Weg ab A: ΔX20 und ΔY10.
  3. Ziel C: X60, Y20. Relativer Weg ab B: ΔX30 und ΔY0.
  4. Ziel D: X60, Y50. Relativer Weg ab C: ΔX0 und ΔY30.

Zwei kommentierte Programmausschnitte

Diese LinuxCNC-nahen Ausschnitte zeigen nur die Maßangabe. G21, G17, G94 und G54 sowie die Startlage A werden vorausgesetzt. F300 ist ein frei gewählter Lehrwert und keine Schnittdatenempfehlung. Z und die reale Einrichtung sind nicht Bestandteil des Beispiels.

Absolute ZieleRelative Wege
G90
G1 X30 Y20 F300
X60 Y20
X60 Y50
G91
G1 X20 Y10 F300
X30 Y0
X0 Y30

Der jeweilige Maßmodus bleibt wirksam, bis er geändert wird. Nach einem relativen Abschnitt sollte der für den nächsten Abschnitt benötigte Modus ausdrücklich festgelegt werden. G90 allein bewegt nichts und setzt keinen Nullpunkt. Es ändert nur, wie folgende geeignete Achsangaben zu lesen sind.

Wann relative Angaben übersichtlicher sind

Ein wiederkehrender Abstand lässt sich als Weg direkt ausdrücken. Bei einer gedachten Lochreihe mit 15 mm Teilung ist „weitere 15 mm“ leicht zu erkennen. Absolute Zielkoordinaten sind dagegen oft einfacher mit einer Zeichnung zu vergleichen. Die Entscheidung richtet sich danach, welche Darstellung sich zuverlässiger prüfen lässt; ein Maßmodus ist nicht grundsätzlich professioneller als der andere.

Ein häufiger Denkfehler: G90 bedeute automatisch Maschinenkoordinaten. Tatsächlich können absolute Zielwerte im ausgewählten Werkstücksystem gelten. Maschinenkoordinaten und absolute Maßangabe sind zwei verschiedene Ebenen der Beschreibung. Wie der Maschinenbezug angesprochen wird, steht im jeweiligen Steuerungshandbuch.

Fehlerfortpflanzung richtig verstehen

Wird im relativen Beispiel der erste X-Weg versehentlich als 21 statt 20 eingegeben, verschieben sich bei unveränderten Folgeschritten auch die nachfolgenden X-Ziele um 1 mm. Das ist eine Folge der falschen Programmsumme. Eine spätere absolute X-Vorgabe kann die programmierte Zielkoordinate wieder eindeutig setzen.

Davon zu unterscheiden sind mechanische Abweichungen oder eine verlorene Positionszuordnung. Ein Wechsel zu G90 repariert weder Schrittverluste noch Umkehrspiel, eine lose Kupplung oder einen falsch gesetzten Bezug. Umgekehrt verursacht G91 nicht zwangsläufig Positionsfehler und verlangt nicht allein wegen seiner Verwendung regelmäßig eine neue Referenzfahrt.

Kreismittelpunkte separat prüfen

Bei Kreisbögen können I, J und K einen eigenen Maßmodus haben. LinuxCNC unterscheidet dafür G90.1 und G91.1. Aus G90 für die Endpunktkoordinaten folgt daher nicht automatisch eine absolute Mittelpunktangabe. Die Einzelheiten zeigt das G03-Beispiel.

Als Grundlage dienen Koordinaten beim Fräsen und der Aufbau eines NC-Satzes. Für das reale Einrichten bleibt die Trennung von Maschinen- und Werkstückbezug entscheidend.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Befehlsdetails gelten jeweils für die genannte Steuerung.

Patrick Mehner

Patrick Mehner aus Mittweida hat seine Optimum BF 20 selbst auf CNC umgerüstet und erklärt auf cnc-modellbau.org CNC-Technik für den Modellbau – von G-Code über CAD bis zur Messtechnik.

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