Lasertechnik

Assistenzgas beim Laserschneiden: Gaswahl, Schnittkante und Versorgung

Assistenzgas ist beim Laserschneiden ein wesentlicher Teil des Prozesses. Es strömt durch die Schneiddüse zur Schnittstelle, unterstützt den Materialaustrag und beeinflusst die chemischen Vorgänge an der Kante. Deshalb lässt sich die Qualität eines Laserschnitts nicht allein aus Laserleistung und Geschwindigkeit erklären. Gasart, Reinheit, Versorgung und Düsenbedingungen gehören ebenfalls zur Beurteilung.

Für Modellbauprojekte ist besonders wichtig, zwischen industriellem Metall-Laserschneiden und der Luftunterstützung kleiner Gravur- oder Schneidgeräte zu unterscheiden. Beide nutzen einen Gasstrom, arbeiten aber nicht zwangsläufig nach demselben Verfahren. Die Anforderungen eines industriellen Schneidkopfs dürfen nicht auf ein anderes Gerät übertragen werden.

Was der Gasstrom in der Schnittfuge bewirkt

Beim Schmelzschneiden liefert der Laser die Energie zum Aufschmelzen. Der Gasstrahl treibt das flüssige Material aus der Fuge und schirmt den Schnittbereich gegenüber der Umgebung ab. Beim Brennschneiden mit Sauerstoff kommt eine chemische Reaktion hinzu: Die Oxidation liefert zusätzliche Wärme. Damit verändert ein Gaswechsel mehr als nur die Stärke eines Luftstrahls.

TRUMPF unterscheidet diese Verfahren ausdrücklich. Die gewünschte Schnittkante entscheidet mit darüber, welcher Prozess sinnvoll ist. Soll das Teil anschließend beschichtet, geschweißt oder ohne weitere Bearbeitung montiert werden, müssen die Anforderungen dieser Folgeschritte schon bei der Gaswahl berücksichtigt werden. „Durchgeschnitten“ ist noch kein vollständiges Qualitätskriterium.

Vier Stationen des Schneidprozesses

Gas bereitstellen – Strahl fokussieren – Schmelze austragen – Kante beurteilenEigene schematische Darstellung in vier Stationen, ohne Maßstab.1 · Gas bereitstellenGasart, Reinheit und Bedarf2 · Strahl fokussierenDüse und Fokus abstimmen3 · Schmelze austragenSchnittfuge freihalten4 · Kante beurteilenAnforderungen statt nur Durchtrennen

Station 1 von 4

Gasart und Versorgung nach Anlagenvorgabe auswählen.

  1. Gasart und Versorgung nach Anlagenvorgabe auswählen.
  2. Laser und Gasstrom treffen an der vorgesehenen Schnittstelle zusammen.
  3. Der Gasstrahl unterstützt den Austrag aus der Schnittfuge.
  4. Kante, Grat und Maß anhand der Anforderungen beurteilen.

Eigene Prinzipskizze. Mit „Weiter“ die Stationen einzeln betrachten oder mit „Start“ automatisch abspielen; die Wiedergabe lässt sich pausieren.

Sauerstoff, Stickstoff und Druckluft einordnen

GasTypische RolleWichtige Prüffrage
SauerstoffReaktives Schneidgas, beispielsweise beim Brennschneiden von BaustahlIst die entstehende oxidierte Kante für den Folgeprozess geeignet?
StickstoffMaterialaustrag beim Schmelzschneiden und Abschirmung gegen OxidationErfüllen Reinheit und Versorgung die Maschinenanforderungen?
ArgonAlternative Schutzgasoption für geeignete Werkstoff-Prozess-KombinationenIst dieser Prozess für Werkstoff und Anlage freigegeben?
DruckluftGasversorgung für ausdrücklich dafür vorgesehene AnwendungenSind Luftqualität und mögliche Oxidation akzeptabel?

Linde nennt Stickstoff als typische Wahl für Edelstahl, Aluminium und Aluminiumlegierungen beim Schneiden mit nichtreaktivem Assistenzgas. Das ist eine Einordnung des Verfahrens, keine automatische Freigabe jeder Legierung. Die konkrete Kombination aus Material, Dicke und Laseranlage bleibt entscheidend.

Druckluft enthält Sauerstoff und ist deshalb nicht mit reinem Stickstoff gleichzusetzen. Zudem gehören Partikel, Feuchtigkeit und Ölanteile zur Bewertung der Versorgung. Eine angeschlossene Werkstattdruckluftleitung beweist noch keine Eignung für einen Schneidkopf. Maßgeblich sind die Anforderungen des Anlagenherstellers einschließlich der vorgesehenen Aufbereitung.

Gasreinheit und Lieferform

Gase werden mit einer spezifizierten Reinheit angeboten. Die Bezeichnung 5.0 steht beispielsweise für 99,999 Prozent Reinheit. Rechnerisch verbleibt damit höchstens ein Anteil von 0,001 Prozent beziehungsweise zehn Millionsteln an Verunreinigungen in dieser Gesamtbetrachtung. Welche einzelnen Verunreinigungen zulässig sind, muss zusätzlich aus der Spezifikation hervorgehen.

Eine ältere TRUMPF-Installationsanleitung für eine konkrete TruLaser-Anlage nennt Stickstoff 5.0 als Empfehlung für optimale Ergebnisse. Diese Zahl ist ein Anlagenbeispiel und kein allgemeiner Mindestwert für jedes Laserschneidgerät. Die passende Qualität wird anhand der aktuellen Maschinenunterlagen und der geforderten Schnittqualität festgelegt.

Für eine Anfrage beim Gaslieferanten sollten Gasart, geforderte Reinheit, benötigter Versorgungsdruck und Verbrauchsprofil vorliegen. Dabei sind Spitzenbedarf und durchschnittlicher Verbrauch zu unterscheiden. Eine einzelne kurze Probebearbeitung kann funktionieren, obwohl die Versorgung bei längerem Betrieb nicht stabil bleibt. Lieferform und Anlagenanschluss werden entsprechend geplant.

Druck ist nicht gleich Durchfluss

Ein Druckwert allein beschreibt noch nicht, wie viel Gas tatsächlich durch die Düse strömt. Düsenquerschnitt, Leitungen, Armaturen und Betriebszustand wirken zusammen. Ein am ruhenden System abgelesener Wert kann deshalb eine andere Aussage haben als der Druck während des Schneidens. Für Vergleiche muss dokumentiert werden, wo und unter welchen Bedingungen gemessen wurde.

In einem rein rechnerischen Verbrauchsbeispiel benötigt ein freigegebener Prozess laut Messung 12 Normkubikmeter pro Stunde. Bei 15 Minuten tatsächlicher Gasströmzeit ergeben sich 12 × 15 / 60 = 3 Normkubikmeter. Einstechen, Nachströmung und weitere Gasverbraucher kommen gegebenenfalls hinzu. Die Bezugsbedingungen des Volumens müssen zur Liefer- oder Verbrauchsangabe passen.

Aus diesem Beispiel lässt sich kein geeigneter Druck einstellen. Es zeigt lediglich, warum die reine Laufzeit des NC-Programms nicht immer der Gasströmzeit entspricht. Für einen Kostenvergleich werden Verbrauch, Ausschuss und nötige Nacharbeit gemeinsam betrachtet, statt nur den Preis einer Gasflasche zu vergleichen.

Düse, Abstand und Schnittkante gemeinsam prüfen

Vor einer Parameteränderung lohnt sich eine Prüfung des vorgesehenen Aufbaus: Ist die richtige Düse eingesetzt? Ist sie nach Herstellervorgabe sauber und unbeschädigt? Stimmen Zentrierung und Abstand? Solche Prüfungen erfolgen ausschließlich nach dem Wartungs- und Sicherheitsverfahren der Anlage. Der Gasdruck sollte nicht zum Ausgleich eines mechanischen Fehlers verwendet werden.

Ein Grat an der Unterseite kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen ungünstiger Materialaustrag, unpassender Vorschub oder eine nicht passende Fokuslage. Eine verfärbte Kante wiederum kann zur Gasart gehören oder auf unerwünschte Reaktionen hinweisen. Das Fehlerbild allein beweist nicht, welches Bauteil der Versorgung falsch arbeitet.

Ein geordneter Vergleichsversuch

  1. Materialbezeichnung, Dicke und Oberflächenzustand festhalten.
  2. Freigegebenen Ausgangsdatensatz und tatsächlich verwendetes Gas dokumentieren.
  3. Düse, Fokus, Abstand und Versorgung nach Anlagenvorgabe prüfen.
  4. Eine überschaubare Testkontur mit geraden Abschnitten, Radien und Einstechstelle verwenden.
  5. Nur eine begründete Prozessänderung innerhalb der zulässigen Grenzen vornehmen.
  6. Unterseite, Kantenbild, Maß und Folgeprozess vergleichen.

Die Testteile sollten eindeutig gekennzeichnet werden. Sonst ist später möglicherweise nicht mehr erkennbar, welches Ergebnis zu welcher Einstellung gehört. Fotos mit gleichem Licht und Blickwinkel erleichtern den Vergleich; Maßprüfungen erfolgen mit geeigneten Messmitteln. Grundlagen erklärt der Beitrag zur Maßhaltigkeit.

Abgrenzung zur Gravur und praktische Sicherheit

Eine Luftunterstützung beim Gravieren ersetzt weder eine geeignete Absaugung noch die Einhausung des Geräts. Auch Gasversorgung und Laserschutz sind getrennte Aufgaben. Sauerstoff darf nicht als improvisierter Ersatz für Druckluft verwendet werden. Gaswechsel, Druckregler und Anschlüsse müssen ausdrücklich zur Anlage und zum Gas passen.

Für Gravuren stehen andere Qualitätsmerkmale im Vordergrund als beim Durchtrennen eines Blechs. Dazu gehören Kontrast und Abtrag. Die Artikel über Gravurtiefe und Fotogravur behandeln diese Unterschiede. Ein sauber dokumentierter Schneidprozess bleibt stets an seine konkrete Maschine und Werkstoffkombination gebunden.

Quellen

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