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Weginformationen in CNC-Programmen: Bezug, Ziel und Bahn

Weginformationen beschreiben, wohin und auf welche Weise sich ein Werkzeugpunkt bewegen soll. Dazu gehören Ziel oder Weg, aktiver Bezug, Bewegungsart und passende Geschwindigkeitsangaben.

Eine Koordinate allein ist noch keine vollständige Bewegung. X30 kann eine Zielposition oder einen relativen Weg bedeuten. Ein Endpunkt kann über eine Gerade oder einen Bogen erreicht werden. Erst die Kombination der Angaben macht den beabsichtigten Ablauf nachvollziehbar.

Vier Fragen an einen Bewegungsabschnitt

FrageBenötigte InformationBeispiel
Wovon wird gemessen?Koordinatensystem, Einheit und MaßmodusWerkstückbezug, Millimeter, G90
Wohin beziehungsweise wie weit?Achsangaben und AusgangslageZiel X30 Y20 ab X10 Y10
Auf welcher Bahn?Interpolation und zusätzliche GeometrieGerade G1 oder Kreisbogen mit Mittelpunkt
Mit welchem Tempo?Vorschubwert und VorschubmodusF300 unter G94: 300 mm/min

Diese Fragen sind ein Leseschema für das Programm. Nicht jede Information muss im selben Satz stehen: Modale Einstellungen können aus vorangegangenen Sätzen stammen. Genau deshalb kann ein ausgeschnittener Satz ohne seinen Kontext unverständlich oder missverständlich sein.

Das Ziel bestimmt noch nicht den Weg

Betrachten wir A(10|10) und B(30|20). Die direkte Gerade ist etwa 22,36 mm lang. Ein Umweg über C(30|10) besteht aus einer 20-mm-Strecke in X und einer 10-mm-Strecke in Y, also insgesamt 30 mm. Beide Wege enden in B. Sie überstreichen aber unterschiedliche Bereiche.

Für einen Kreisbogen reichen dieselben Endpunkte ebenfalls nicht. Zusätzlich braucht es eine eindeutige Kreisgeometrie und Richtung. Welche Angaben dabei vorgesehen sind, zeigt die Dokumentation des jeweiligen Befehls. Start, Ziel und Bahnbeschreibung müssen geometrisch zusammenpassen.

Eine Bewegung vollständig lesenEine Bewegung vollständig lesen01BezugEinheit, Nullpunkt, Maßmodus02Ziel oder WegAchsangaben und Startlage03BahnformGerade, Bogen oder Zyklus04VorschubWert zusammen mit ModusDie Stationen werden nacheinander hervorgehoben.
Eigene Lesegrafik. Alle vier Ebenen gehören zur Interpretation desselben Programmabschnitts.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Eine Bewegung vollständig lesenEine Bewegung vollständig lesen01BezugEinheit, Nullpunkt, Maßmodus02Ziel oder WegAchsangaben und Startlage03BahnformGerade, Bogen oder Zyklus04VorschubWert zusammen mit ModusDie Stationen werden nacheinander hervorgehoben.

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. Bezug klären: In welchem System und in welcher Einheit werden Werte interpretiert?
  2. Achsangaben zusammen mit dem Maßmodus lesen: absolute Ziele oder relative Wege?
  3. Die Bewegungsart und gegebenenfalls zusätzliche Kreis- oder Zyklusparameter prüfen.
  4. Den F-Wert nur zusammen mit seinem Vorschubmodus interpretieren.

Wegbedingungen und andere G-Funktionen trennen

G1 beschreibt in den hier verwendeten Steuerungsbeispielen lineare Interpolation, G2 und G3 Kreisbewegungen. Nicht jeder G-Befehl bestimmt jedoch unmittelbar eine geometrische Bahn. G96 betrifft etwa bei unterstützten Drehsteuerungen die Regelung auf konstante Schnittgeschwindigkeit. Das ist eine Spindelfunktion im Bearbeitungskontext, keine Alternative zu „Gerade“ oder „Kreis“.

Schnittgeschwindigkeit, Spindeldrehzahl und Vorschub sind außerdem unterschiedliche Größen. Die Schnittgeschwindigkeit hängt beim Drehen unter anderem von Durchmesser und Drehzahl ab. Der Vorschub beschreibt die Weiterbewegung des Werkzeugs. Wer diese Begriffe vermischt, kann einen formal richtig aussehenden Satz fachlich falsch lesen.

Welche Angaben bleiben aktiv?

Ein modaler Bewegungsbefehl kann in nachfolgenden geeigneten Sätzen weitergelten. Beckhoff zeigt beispielsweise nach einem G01-Satz einen Folgesatz mit nur einem neuen X-Wert. Das bedeutet nicht, dass alle übrigen Einstellungen auf null fallen. Es bedeutet, dass der Folgesatz im bereits bestehenden Zustand interpretiert wird.

Ein Programmstart oder Wiedereinstieg muss deshalb zu den Voraussetzungen des Abschnitts passen. Aus dem bloßen Vorhandensein von X, Y und F lässt sich keine vollständige Aussage über Einheit, Werkstücksystem oder noch aktive Korrekturen gewinnen. Dokumentierte Start- und Wiedereinstiegsverfahren sind eine Aufgabe der konkreten Steuerung.

Geometrie ist noch kein fertiger Fertigungsprozess

Auch eine eindeutig beschriebene Bahn sagt noch nicht, dass Werkzeug und Halter frei bleiben oder dass die Schnittdaten zum Material passen. Geometrische Weginformationen sind eine Ebene des Programms. Werkzeugwahl, Rohteil, Aufspannung und Maschinenzustand ergänzen sie.

Mein praktischer Bezug ist eine selbst auf CNC umgerüstete Optimum BF 20. Für die Erklärung nutze ich bewusst kleine, überprüfbare Lehrbeispiele. So bleibt sichtbar, welche Aussage aus der Geometrie folgt und welche erst mit Daten der realen Maschine beantwortet werden kann.

Vertiefen kannst du die einzelnen Ebenen über NC-Sätze, G90/G91, Diagonalvorschub, G03 und Programmtest.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Befehlsdetails gelten jeweils für die genannte Steuerung.

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