Hilfsstoffe

Kühlschmierstoff richtig einordnen: Auswahl, Konzentration und Pflege

Kühlschmierstoff, kurz KSS, unterstützt beim Zerspanen vor allem Wärmeabfuhr und Schmierung. Auswahl, Zuführung und Zustand müssen zum Werkstoff, Werkzeug und Verfahren passen. Bei wassergemischten Produkten gehört die regelmäßige Überwachung zum Einsatz; eine passende Farbe oder ein unauffälliger Geruch allein belegt keinen ordnungsgemäßen Zustand.

Für meinen selbst ausgeführten CNC-Umbau einer Optimum BF 20 sind hier weder ein verwendetes KSS-Produkt noch Konzentration oder Versorgungssystem belegt. Deshalb behandle ich die Auswahl und Kontrolle als nachvollziehbare Planungsaufgabe. Eine pauschale Zusage längerer Werkzeugstandzeit wäre ohne einen konkreten Vergleich ebenso wenig belastbar wie ein allgemeines Mischungsverhältnis.

Wassermischbar und wassergemischt bedeuten nicht dasselbe

Das IFA unterscheidet den Anlieferungszustand eines wassermischbaren Konzentrats vom anwendungsfertigen wassergemischten Kühlschmierstoff. Je nach Produkt entstehen mit Wasser Emulsionen oder Lösungen. Nichtwassermischbare Kühlschmierstoffe bilden eine weitere Gruppe. Diese Unterscheidung ist für die Produktwahl ebenso wichtig wie für Prüfung und Pflege.

Ich würde beim Lesen eines Datenblatts deshalb zuerst klären, ob sich eine Angabe auf das Konzentrat oder auf die gebrauchsfertige Mischung bezieht. Anschließend folgen Werkstoffverträglichkeit, Bearbeitungsart, vorgesehene Konzentration und Wasseranforderungen. Das Sicherheitsdatenblatt und die technischen Anwendungshinweise erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben und sollten beide zum aktuellen Produkt gehören.

Kühlung, Schmierung und Zuführung zusammen betrachten

Das IFA beschreibt Kühlwirkung als Abfuhr von Wärme und Schmierwirkung als Verringerung der Reibung im Bearbeitungsprozess. Welche Eigenschaft im Vordergrund steht, hängt von der Anwendung ab. Ein Mittel ist daher nicht allein deshalb geeignet, weil es in einer anderen Werkstatt erfolgreich verwendet wird.

Auch die Zuführung gehört zur Planung. Der Artikel über Hochdruck-Kühlschmierung behandelt deren besondere Anforderungen. Trockenbearbeitung und Minimalmengenschmierung sind eigenständige Prozessentscheidungen. Sie lassen sich nicht durch die bloße Änderung einer Pumpeneinstellung mit einer Überflutungskühlung gleichsetzen.

Refraktometerwert richtig umrechnen

Konzentration: Messwert und Faktor unterscheidenKonzentration: Messwert und Faktor unterscheiden01Skala ablesenBeispiel: 4,0 °Brix02Faktor zuordnenAngenommen: Faktor 1,503Wert berechnen4,0 × 1,5 = 6,0 %04Mit Vorgabe prüfenKein allgemeiner SollwertDie Stationen werden nacheinander hervorgehoben.
Eigenes Rechenbeispiel mit frei gewähltem Messwert und Faktor. Es zeigt die Auswertung, nicht die Herstellung einer Mischung.

Das Prinzip Schritt für Schritt

Konzentration: Messwert und Faktor unterscheidenKonzentration: Messwert und Faktor unterscheiden01Skala ablesenBeispiel: 4,0 °Brix02Faktor zuordnenAngenommen: Faktor 1,503Wert berechnen4,0 × 1,5 = 6,0 %04Mit Vorgabe prüfenKein allgemeiner SollwertDie Stationen werden nacheinander hervorgehoben.

Startet nur auf Wunsch. Pause hält den aktuellen Stand fest. Die Darstellung läuft in Lerngeschwindigkeit; sie simuliert keine Maschinensteuerung. Ohne Bewegung erklären Grafik und Liste denselben Inhalt.

  1. Im Lehrbeispiel wird ein Refraktometerwert von 4,0 Grad Brix angenommen. Die Anzeige allein ist noch nicht die Konzentration des Kühlschmierstoffs.
  2. Für das betrachtete, frei angenommene Produkt wird ein Refraktometerfaktor von 1,5 angesetzt. Tatsächlich muss der zum Produkt gehörende Faktor verwendet werden.
  3. 4,0 mal 1,5 ergibt eine rechnerische Gebrauchskonzentration von 6,0 Prozent. Die Methode setzt eine auswertbare Probe und die passende Messanleitung voraus.
  4. Erst der Vergleich mit der freigegebenen produkt- und prozessbezogenen Vorgabe erlaubt eine Bewertung. Die sechs Prozent sind weder eine allgemeine Empfehlung noch ein Befund an meiner Maschine.

Nach der IFA-Praxishilfe wird der Ablesewert mit dem produktspezifischen Korrekturfaktor multipliziert. Im Beispiel ergeben 4,0 °Brix und Faktor 1,5 somit 6,0 %. Würde man den Faktor vergessen, würde man fälschlich 4 % dokumentieren. Ein Faktor von einem anderen Produkt kann ebenfalls zu einer falschen Bewertung führen.

Die Messung hat Grenzen: Fremdöl und eine instabile Emulsion können die Auswertung beeinträchtigen. Eine verschwommene Trennlinie sollte nicht durch besonders selbstbewusstes Schätzen „repariert“ werden. Ich würde den Befund festhalten und die geeignete weitere Prüfung mit dem Lieferanten beziehungsweise einer fachkundigen Person abstimmen. Ein rechnerisch genauer Wert ist nur so brauchbar wie seine Messgrundlage.

Ein Prüfplan braucht mehrere Merkmale

Die IFA-Praxishilfe zur Prüfung nennt wahrnehmbare Veränderungen, pH-Wert, Nitritgehalt, Gebrauchskonzentration sowie Nitrat und Nitrit im Ansetzwasser. Sie beschreibt tägliche Sichtkontrollen und regelmäßige Messungen. Für den tatsächlichen Betrieb müssen daraus ein passender Prüfplan, Zuständigkeiten und festgelegte Maßnahmen entstehen; die geltenden Anforderungen und Produkthinweise bleiben maßgeblich.

Eintrag im eigenen ÜberwachungsblattWarum ich ihn aufnehmen würde
Maschine, Produkt und DatumMessung eindeutig zuordnen.
Messverfahren, Ablesewert und FaktorUmrechnung später prüfen können.
Sollbereich und ErgebnisBeobachtung von Bewertung trennen.
Auffälligkeiten und MaßnahmeVeränderungen und Reaktionen nachvollziehen.
Verantwortliche Person und KontrolleOffene Maßnahmen nicht verlieren.

Ein pH-Wert ist keine Konzentrationsmessung. Ein unauffälliger pH-Wert ersetzt deshalb weder die Refraktometermessung noch die übrigen vorgesehenen Prüfungen. Umgekehrt erklärt eine geänderte Konzentration nicht automatisch jede Schaumbildung oder jeden Geruch. Mehrere Beobachtungen zusammen helfen, die Ursache einzugrenzen.

Nitrit und Produktpflege fachlich behandeln

Die IFA-Seite zum Nitritgehalt nennt im Zusammenhang mit TRGS 611 den Wert von 20 mg/l und beschreibt Maßnahmen bei Überschreitung. Für geeignete Inhibitoren bestehen zusätzliche Bedingungen und Nachweise. Daraus leite ich ausdrücklich keine allgemeine Freigabe höherer Werte und keine Anleitung zum eigenmächtigen Nachdosieren ab. Die Quelle verweist für solche Fälle auf ein abgestimmtes Überwachungs- und Maßnahmenkonzept.

Ich würde auffällige Werte mit Produkt, Probenahme und bisherigem Verlauf dokumentieren, statt nur die zuletzt gemessene Zahl zu notieren. Nachfüllen, Reinigen oder Austauschen sind unterschiedliche Maßnahmen. Welche davon geeignet ist, muss zum Befund passen. Der Schmierplan der Maschine bleibt davon getrennt: Führungen oder andere Maschinenkomponenten können eigene Schmierstoffe und Intervalle benötigen.

Schutzmaßnahmen gehören zur technischen Lösung

Das IFA nennt unter anderem Haut- und Augenkontakt, Emissionen in die Atemluft sowie Brand- und Explosionsgefahren als zu bewertende Aspekte. Technische Maßnahmen haben Vorrang vor rein organisatorischen oder persönlichen Maßnahmen. Eine geeignete Einhausung, Erfassung von Emissionen und geordnete Pflege müssen zur tatsächlichen Anwendung passen.

Für eine Verbesserung würde ich zunächst den Ausgangszustand beschreiben: Werkzeug, Werkstoff, Bearbeitung, Zuführung und KSS-Zustand. Danach lässt sich eine Änderung mit vergleichbaren Bedingungen beurteilen. Nur so werden Aussagen zu Oberfläche und Standzeit nachvollziehbar, statt aus einer einzelnen gelungenen Bearbeitung eine allgemeine Regel abzuleiten.

Quellen und fachliche Einordnung

Primärquellen, geprüft am 24.10.2026. Eigene Lehrbeispiele und schematische Grafiken. Produkt- und Verfahrensangaben gelten im jeweils beschriebenen Zusammenhang.

3 Kommentare zu „Kühlschmierstoff richtig einordnen: Auswahl, Konzentration und Pflege“

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