Arbeitsvorbereitung

REFA-Methode: Arbeitszeiten nachvollziehbar ermitteln

Die REFA-Methode ist im Werkstattalltag vor allem durch die systematische Zeitaufnahme bekannt. REFA umfasst jedoch ein breiteres Methodenangebot zur Arbeitsgestaltung und zum Arbeitsdatenmanagement. Für die CNC-Fertigung ist die Kernfrage praktisch: Wie viel Zeit benötigt ein eindeutig beschriebener Ablauf unter festgelegten Bedingungen, und welche Daten eignen sich anschließend für Kalkulation und Planung?

Zuerst den Ablauf beschreiben, dann messen

Ein Zeitwert ohne Arbeitsbeschreibung ist kaum übertragbar. „Werkstück einlegen: 18 Sekunden“ sagt beispielsweise nichts über Masse, Greifweg, Spannmittel oder Reinigung der Anlageflächen. Eine geeignete Aufnahme beschreibt Arbeitsaufgabe, Verfahren, Hilfsmittel, Bezugsmenge und Einflussgrößen. Die Arbeit wird in wiedererkennbare Abschnitte zerlegt, deren Anfang und Ende beobachtbar sind.

Für eine kleine Frässerie könnten die Abschnitte „Fertigteil entnehmen“, „Anlageflächen reinigen“, „Rohteil einlegen“, „Spannen“ und „Start freigeben“ lauten. Ein Abschnitt endet nicht bei einem unbestimmten Eindruck wie „fast fertig“, sondern an einem definierten Ereignis. Unterschiedliche Varianten, etwa ein schwereres Rohteil oder ein zusätzlicher Prüfgriff, werden gekennzeichnet. Sonst erscheint ein veränderter Arbeitsinhalt fälschlich als Leistungsschwankung.

Istzeit, Leistungsgrad und Grundzeit

Die Istzeit ist die beobachtete Dauer. Bei beeinflussbarer menschlicher Tätigkeit wird zusätzlich der Leistungsgrad beurteilt, um die Zeit auf eine Bezugsleistung zu beziehen. Diese Beurteilung verlangt Schulung; sie ist weder eine automatisch aus der Stoppuhr ablesbare Größe noch eine persönliche Rangliste der Beschäftigten. REFA beschreibt die Bezugsleistung als unter normalen Bedingungen dauerhaft erreichbare Grundlage für eingearbeitete Personen.

Für einen vollständig beeinflussbaren Ablaufabschnitt gilt im vereinfachten Beispiel: Normalzeit = Istzeit · Leistungsgrad / 100. Bei 50 Sekunden Istzeit und 110 Prozent Leistungsgrad ergeben sich 55 Sekunden. Die Normalzeit wird hier größer, weil der beobachtete Ablauf schneller als die Bezugsleistung ausgeführt wurde. Bei mehreren Abschnitten oder wechselnden Leistungsgraden werden die zugehörigen Beobachtungen passend ausgewertet; beliebige Mittelwerte dürfen nicht ungeprüft miteinander multipliziert werden.

Eine automatisch ablaufende CNC-Programmlaufzeit wird nicht nach menschlichem Leistungsgrad hoch- oder heruntergerechnet. Auch geplante Warteanteile, Maschinenbelegung und Arbeitszeit der Person sind sachgerecht zuzuordnen. Die Grundzeit beschreibt den planmäßigen Ablauf und kann daher mehr umfassen als unmittelbar wertschöpfendes Handanlegen.

Rechenbeispiel: von 50 Sekunden zum Auftrag

Angenommen, ein rein manueller, wiederkehrender Arbeitsgang besitzt nach der Leistungsgradbereinigung eine Grundzeit von 55 Sekunden. Für dieses Lehrbeispiel werden ein Verteilzeitzuschlag von 10 Prozent und ein Erholungszeitzuschlag von 5 Prozent angesetzt, jeweils bezogen auf die Grundzeit. Diese Prozentsätze sind frei gewählte Rechenannahmen, keine allgemeinen REFA-Vorgaben.

  • Verteilzeit: 55 s · 0,10 = 5,50 s.
  • Erholungszeit: 55 s · 0,05 = 2,75 s.
  • Zeit je Einheit: 55 + 5,50 + 2,75 = 63,25 s.
  • Bei 40 Einheiten und 20 Minuten vollständig angesetzter Rüstzeit: 40 · 63,25 s + 1.200 s = 3.730 s, also 62 Minuten 10 Sekunden.

Die Rechnung setzt eine sequenzielle Bearbeitung ohne zusätzliche Überlappungen voraus. Sie ist weder automatisch die Lieferzeit noch die gesamte Kalenderdurchlaufzeit: Warteschlangen, Transport und andere Aufträge können hinzukommen. Für eine Make-or-buy-Kalkulation müssen außerdem die passenden Kostenarten und Kapazitätsannahmen ergänzt werden.

Die Zeitbildung Schritt für Schritt

Von der Beobachtung zur geplanten AuftragszeitEigene schematische Darstellung in vier einzeln anwählbaren Stationen, ohne Maßstab.1 · Ablauf erfassen50 s2 · Normalisieren50 s × 1,1055 s3 · Zuschläge zuordnen55 + 5,50 + 2,75 s4 · Losgröße einbeziehen40 × 63,25 s + 1.200 s62 min 10 s

Station 1 von 4

Arbeitsinhalt und Messpunkte festlegen; 50 Sekunden sind hier ein angenommener beobachteter Wert.

  1. Arbeitsinhalt und Messpunkte festlegen; 50 Sekunden sind hier ein angenommener beobachteter Wert.
  2. Die beispielhafte Bewertung mit 110 Prozent ergibt für den manuellen Abschnitt 55 Sekunden Normalzeit.
  3. Nur begründete Zuschläge verwenden. Hier sind 10 Prozent Verteilzeit und 5 Prozent Erholungszeit reine Rechenannahmen.
  4. Rüstzeit und Stückzahl getrennt behandeln. Das Ergebnis beschreibt den angenommenen Ablauf, nicht automatisch die Lieferzeit.

Eigene Prinzipskizze. „Weiter“ zeigt die Stationen einzeln. „Start“ spielt sie automatisch ab; „Pause“ hält die Animation an. Die Schaltflächen sind auch mit der Tastatur bedienbar.

Verteilzeit und Erholung nicht verwechseln

Verteilzeiten berücksichtigen zusätzliche sachliche oder persönliche Zeitanteile nach der angewandten Systematik. Eine Verteilzeitstudie benötigt eine Beobachtungsbasis, die solche Ereignisse tatsächlich abbildet. Seltene Störungen lassen sich nicht zuverlässig aus drei ungestörten Zyklen ableiten. Ein auffälliger Wert wird deshalb mit Ursache dokumentiert, statt ihn kommentarlos aus der Aufzeichnung zu löschen.

Erholungszeit dient dem arbeitsbedingten Erholen und hängt von der Belastung ab. REFA grenzt sie ausdrücklich von den gesetzlichen Ruhepausen ab. Zuschlagsbasis, betriebliche Vereinbarungen und Verwendungszweck müssen bekannt sein. Ein Zuschlag ist weder ein frei verfügbarer Puffer für schlechte Organisation noch ein Ersatz für ergonomische Verbesserungen.

Praxisfall: Prüfen während der Maschinenlaufzeit

Läuft die Maschine zwei Minuten automatisch, während die Bedienperson das vorherige Teil eine halbe Minute prüft, dürfen diese Zeiten nicht pauschal zu zweieinhalb Minuten Zyklusdauer addiert werden. Ebenso wenig ist die Prüfzeit bedeutungslos: Sie belegt die Person und kann bei Mehrmaschinenbedienung zum Engpass werden. Ein Ablaufdiagramm mit getrennten Spuren für Mensch und Maschine macht die Überlappung sichtbar.

Eine geänderte Spannvorrichtung mit Anschlag kann den Ablauf verkürzen, verändert aber auch die Gültigkeit vorhandener Zeitdaten. Nach einer solchen Änderung wird die neue Methode beschrieben und überprüft. Eine ältere Vorgabezeit bleibt nicht allein deshalb richtig, weil die Teilenummer gleich geblieben ist.

Wann sind die Daten verwendbar?

Vor der Freigabe müssen Arbeitsinhalt, Aufnahmebedingungen, Streuung, Zuschläge und Gültigkeitsbereich nachvollziehbar sein. Die notwendige Zahl der Beobachtungen folgt aus dem Untersuchungszweck und der Datenstreuung, nicht aus einer universellen Mindestzahl. Beteiligte werden über Zweck und Vorgehen informiert; betriebliche Zuständigkeiten und Vereinbarungen sind vor der Aufnahme zu klären. Ein kleines, sauber dokumentiertes Pilotprojekt liefert mehr Erkenntnis als eine große Sammlung unbeschrifteter Stoppzeiten.

Quellen

Geprüft am 28. Oktober 2026. Zahlenbeispiele sind eigene, vereinfachte Rechenbeispiele.

Ein Kommentar zu „REFA-Methode: Arbeitszeiten nachvollziehbar ermitteln“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.