Qualitätsmanagement

Traceability in der CNC-Fertigung: Teile und Chargen rückverfolgen

Traceability bedeutet Rückverfolgbarkeit. In der CNC-Fertigung soll nachvollziehbar bleiben, aus welchem Material ein Teil entstanden ist, welche Bearbeitung und Prüfung es durchlaufen hat und wohin es geliefert wurde. Ein Barcode kann dabei helfen. Die eigentliche Rückverfolgbarkeit entsteht jedoch durch die Verbindung zwischen dem physischen Teil und den dazugehörigen Aufzeichnungen.

Für eine kleine Werkstatt kann ein sauber geführtes Auftrags- und Losregister bereits einen großen Unterschied machen. Entscheidend ist, dass die Zuordnung auch nach dem Sägen, Umspannen, Reinigen oder Verpacken erhalten bleibt. Eine Materialbescheinigung im Ordner nützt wenig, wenn niemand mehr weiß, welche Rohlinge daraus gefertigt wurden.

Artikelnummer, Losnummer und Seriennummer trennen

Die Artikelnummer bezeichnet eine Teileart. Eine Los- oder Chargennummer fasst eine definierte Gruppe zusammen. Eine Seriennummer identifiziert ein einzelnes Exemplar. Zusätzlich benötigt die Fertigung meist eine Zeichnungs- oder Revisionskennung. Diese Angaben beantworten verschiedene Fragen und sollten nicht ohne klare Regeln in einer einzigen Nummer vermischt werden.

Die geeignete Detailtiefe hängt von Funktion, Kundenanforderungen und Prozess ab. Ein Losbezug kann ausreichend sein, wenn alle Teile einer Gruppe denselben relevanten Bedingungen unterliegen und gemeinsam behandelt werden dürfen. Einzelteilkennungen sind sinnvoll, wenn Ergebnisse oder Verwendungen pro Exemplar unterschieden werden müssen. Mehr Nummern allein bedeuten allerdings noch keine bessere Datenqualität.

Ereignisse statt lose Dateisammlungen erfassen

GS1 unterscheidet relevante Verfolgungsereignisse, sogenannte Critical Tracking Events, und die dazugehörigen Key Data Elements. Beispiele sind Wareneingang, Umwandlung, Verpackung und Versand. Zu den Daten gehören die beteiligten Objekte sowie Angaben zum Zeitpunkt, Ort und Vorgang. Dieses Prinzip lässt sich auf eine Werkstatt übertragen, ohne dass jedes interne Musterteil sofort eine globale Artikelnummer benötigt.

Die folgende Darstellung zeigt ein eigenes vereinfachtes Fertigungsbeispiel. Die Kennungen sind frei erfunden und keine vorgegebenen GS1-Schlüssel.

Materiallos bis zum ausgelieferten Teil verfolgenEigene schematische Darstellung in vier einzeln anwählbaren Stationen, ohne Maßstab.1 · Material übernehmenM-042Kennung bleibt am Material2 · Fertigung verknüpfenM-042FA-117Eingangslos → Fertigungsauftrag3 · Prüfung dokumentierenErgebnis, Prüfmittel und Revision4 · Lieferung zuordnenLos F-117LS-208Empfänger und Menge auffindbar

Station 1 von 4

Lieferant, Materialkennung, Menge und Eingangsbeleg eindeutig erfassen.

  1. Lieferant, Materialkennung, Menge und Eingangsbeleg eindeutig erfassen.
  2. Die verbrauchten Materiallose mit dem Fertigungsauftrag und seinen Ergebnissen verknüpfen.
  3. Prüfdaten und Freigabestatus dem richtigen Fertigungslos oder Einzelteil zuordnen.
  4. Die ausgelieferte Menge mit Lieferschein und Empfänger verbinden; Rückweg testen.

Eigene Prinzipskizze. „Weiter“ zeigt die Stationen einzeln. „Start“ spielt sie automatisch ab; „Pause“ hält die Animation an. Die Schaltflächen sind auch mit der Tastatur bedienbar.

Durchgehendes Beispiel: 100 Rohlinge

Eine Werkstatt übernimmt 100 bereits zugeschnittene Rohlinge aus Materiallos M-042. Der Wareneingang verbindet diese Kennung mit dem Lieferanten, dem Eingangsbeleg und der vorhandenen Materialdokumentation. Die Rohlinge werden in zwei eindeutig beschrifteten Behältern zu 60 und 40 Stück gelagert. Beide Behälter behalten denselben Materiallosbezug; ihre Behälterkennungen unterscheiden die Lagerorte.

Der Fertigungsauftrag FA-117 entnimmt die 60 Rohlinge des ersten Behälters. Während der Bearbeitung entstehen 57 freigegebene Teile und drei ausgeschiedene Teile. Das Ergebnislos F-117 wird mit M-042, FA-117 und der verwendeten Zeichnungsrevision verknüpft. Die drei ausgeschiedenen Teile erhalten einen dokumentierten Status und gelangen nicht zurück in den Behälter mit freigegebener Ware.

Von den 57 freigegebenen Teilen werden 20 mit Lieferschein LS-208 und 30 mit LS-211 ausgeliefert. Sieben bleiben im Fertigwarenlager. Die Mengenkontrolle lautet 40 unbearbeitet + 3 ausgeschieden + 7 Fertigbestand + 20 geliefert + 30 geliefert = 100. Eine solche Bilanz beweist nicht die technische Qualität, deckt aber fehlende Mengen oder unklare Übergänge auf.

Welche Aufzeichnungen das Beispiel benötigt

EreignisWesentliche Zuordnung im Beispiel
WareneingangM-042 ↔ Lieferant, Beleg, Materialunterlagen, 100 Rohlinge
Entnahme60 Rohlinge M-042 ↔ Auftrag FA-117
FertigungFA-117 ↔ Zeichnungsrevision, Prozessstand, Ergebnislos F-117
PrüfungF-117 ↔ Prüfplan, Ergebnisse, Prüfmittelbezug, Freigabe
VersandF-117 ↔ LS-208 mit 20 und LS-211 mit 30 Teilen

Der Inhalt wird auf die tatsächliche Aufgabe abgestimmt. Für eine kritische Bohrung kann die Zuordnung zum Prüfprotokoll wichtig sein. Für eine nachträgliche Oberflächenbehandlung muss auch der externe Bearbeitungsschritt erhalten bleiben. Die Rückverfolgung endet nicht dadurch, dass die Teile vorübergehend das eigene Gebäude verlassen.

Vorwärts und rückwärts suchen können

Bei einer Rückfrage zu LS-208 muss der Weg vom Lieferschein zum Fertigungslos F-117, zum Auftrag FA-117 und zum Materiallos M-042 funktionieren. Umgekehrt muss bei einer Auffälligkeit zu M-042 erkennbar sein, welche Bestände, Aufträge und Lieferungen damit verbunden sind. Beide Suchrichtungen werden praktisch erprobt.

Im Beispiel sind auch die 40 unbearbeiteten Rohlinge und die sieben Fertigteile im Lager zu berücksichtigen. Nur die Liste der bereits ausgelieferten Teile zu finden wäre unvollständig. Wenn nicht mehr unterscheidbar ist, welche Teile aus welchem Materiallos stammen, kann die betroffene Menge größer werden. Eine nachträglich geschätzte Zuordnung stellt die verlorene Information nicht wieder her.

Typische Brüche in der Informationskette

Beim Zusammenlegen zweier Behälter können zwei Materiallose unbemerkt vermischt werden. Bei einer Aufteilung kann ein neuer Behälter ohne Kennung entstehen. Nacharbeit kann mit einer neuen Zeichnungsrevision erfolgen, während der ursprüngliche Fertigungsdatensatz unverändert bleibt. Solche Vorgänge benötigen eigene, klar definierte Buchungen oder Vermerke.

Ein sinnvoller Ablauf beschreibt deshalb nicht nur den Normalfall. Er legt auch fest, was bei unlesbarer Kennzeichnung, fehlendem Beleg, Systemausfall oder einer Korrektur geschieht. Bis die Zuordnung geklärt ist, wird der Bestand eindeutig getrennt. Korrekturen sollten nachvollziehbar bleiben, statt ursprüngliche Angaben stillschweigend zu überschreiben.

Kennzeichnung und Software passend wählen

Etikett, Behälterkarte, Gravur oder ein geeigneter maschinenlesbarer Code müssen zur Oberfläche und zum Prozess passen. Eine Markierung darf die Funktion des Teils nicht beeinträchtigen. Wird nur der Behälter gekennzeichnet, muss dessen Inhalt organisatorisch eindeutig bleiben. Ein einzeln entnommenes Teil verliert sonst seinen Bezug.

Die Softwarewahl folgt dem Ablauf. Eine einfache Tabelle kann für einen begrenzten, kontrollierten Prozess geeignet sein; mehrere gleichzeitige Bearbeiter, viele Aufteilungen und komplexe Freigaben können andere Werkzeuge erfordern. Unabhängig vom System werden eindeutige Kennungen, Zugriffsregeln, Datensicherung und ein lesbarer Export benötigt. Der Aufwand gehört in die Betrachtung von Fertigungskosten und Fremdleistungen.

Rückverfolgung als kleinen Praxistest durchführen

  1. Einen ausgelieferten Beispielfall auswählen und Materialbezug sowie Prüfstatus ermitteln.
  2. Von diesem Materiallos aus alle weiteren betroffenen Bestände und Lieferungen suchen.
  3. Mengen und Statusübergänge abstimmen; Nacharbeit und Ausschuss einbeziehen.
  4. Benötigte Zeit, fehlende Nachweise und unklare Kennungen protokollieren.
  5. Die Lücken im Ablauf beheben und den Test wiederholen.

GS1 stellt für die Bewertung von Rückverfolgbarkeit strukturierte Kriterien bereit. Welche Anforderungen verbindlich gelten, wird für das jeweilige Produkt und den Auftrag gesondert festgelegt. Eine gute Revisionsführung der Zeichnung und nachvollziehbare Prüfergebnisse sind dabei wertvolle Bausteine.

Quellen

Geprüft am 28. Oktober 2026. Zahlenbeispiele sind eigene, vereinfachte Rechenbeispiele.

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