Qualitätsmanagement

Bohrungsdurchmesser-Toleranz: H7, Grenzmaße und Prüfung

Die Bohrungsdurchmesser-Toleranz beschreibt den zulässigen Bereich eines Durchmessermaßes. Sie sorgt dafür, dass Bauteile trotz unvermeidbarer Fertigungsabweichungen zusammenpassen. Für einen Bolzen, eine Lageraufnahme oder eine Führungsbuchse kann der Unterschied zwischen wenigen Hundertstelmillimetern bereits funktionell entscheidend sein.

Die Toleranz ist weder eine nachträglich frei gewählte Zugabe noch automatisch die erreichbare Genauigkeit eines Bohrers. Sie wird aus der Funktion abgeleitet und anschließend durch einen geeigneten Fertigungs- und Prüfprozess abgesichert. Auch ein Werkzeug mit passender Nenngröße garantiert das geforderte Ergebnis nicht ohne Kontrolle.

Nennmaß, Abmaß und Toleranzbreite

Das Nennmaß ist die Bezugsgröße der Maßangabe. Oberes und unteres Abmaß beschreiben die Abstände der Grenzmaße zu diesem Nennmaß. Die Toleranzbreite ist die Differenz zwischen Größtmaß und Kleinstmaß. Sie ist stets eine Breite und darf nicht mit der Lage des gesamten Toleranzfeldes verwechselt werden.

Bei ISO-Toleranzklassen stehen Großbuchstaben für Bohrungen und Kleinbuchstaben für Wellen. Der Buchstabe kennzeichnet die Lage des Toleranzfeldes, die Zahl den Toleranzgrad. Bei einer H-Bohrung ist das untere Abmaß null. Die Breite von H7 hängt dagegen vom Nennmaßbereich ab. Eine 8-H7-Bohrung besitzt nicht dieselbe Toleranzbreite wie eine 80-H7-Bohrung.

20 H7 vollständig auflösen

Der Ganter-Auszug aus DIN ISO 286-2 nennt für H7 im Bereich über 18 bis einschließlich 30 mm die Abmaße 0 und +21 µm. Damit gilt für Ø20 H7: Kleinstmaß 20,000 mm, Größtmaß 20,021 mm und Toleranzbreite 0,021 mm. Die Mikrometerwerte werden durch 1.000 geteilt, um Millimeter zu erhalten.

GrößeWert im Beispiel
Nennmaß20,000 mm
Unteres Abmaß0,000 mm
Oberes Abmaß+0,021 mm
Zulässiger Maßbereich20,000 bis 20,021 mm

Der Zielwert für einen stabilen Fertigungsprozess muss nicht genau das Kleinstmaß sein. Eine Bearbeitung am unteren Rand lässt beispielsweise kaum Reserve für eine kleinere tatsächliche Bohrung. Die Wahl des Prozessziels berücksichtigt Streuung, Werkzeugverhalten und Messverfahren; sie verändert nicht die Zeichnungstoleranz.

Vom Grenzmaß zur Prüfentscheidung

Bohrungstoleranz von der Zeichnung zur PrüfungEigene schematische Darstellung in vier einzeln anwählbaren Stationen, ohne Maßstab.1 · Grenzmaße lesenØ 20 H720,000 bis 20,021 mm2 · Passung berechnenDurchmesserspiel ≠ radialer Spalt3 · An mehreren Stellen messenMehrere Tiefen und Richtungen4 · Ergebnis bewertenMesswert und Unsicherheit trennen

Station 1 von 4

Nennmaß, Toleranzklasse und Größenbereich korrekt zuordnen.

  1. Nennmaß, Toleranzklasse und Größenbereich korrekt zuordnen.
  2. Die Grenzmaße der Bohrung mit denen des Gegenstücks kombinieren.
  3. Messstellen, Messrichtungen und Prüfmittel vor der Abnahme festlegen.
  4. Messunsicherheit und vereinbarte Entscheidungsregel bei der Freigabe berücksichtigen.

Eigene Prinzipskizze. „Weiter“ zeigt die Stationen einzeln. „Start“ spielt sie automatisch ab; „Pause“ hält die Animation an. Die Schaltflächen sind auch mit der Tastatur bedienbar.

Die Passung entsteht erst mit dem Gegenstück

Nehmen wir zusätzlich eine Welle mit ausdrücklich vorgegebenen Grenzmaßen von 19,980 bis 19,993 mm an. Für die genannte Bohrung beträgt das kleinste Durchmesserspiel 20,000 − 19,993 = 0,007 mm. Das größte Durchmesserspiel ist 20,021 − 19,980 = 0,041 mm. Beide Werte sind positiv; im idealisierten Maßvergleich liegt damit eine Spielpassung vor.

Diese Werte beschreiben die Differenz der Durchmesser. Bei ideal konzentrischer Lage wäre der radiale Spalt halb so groß. Unter Belastung liegt eine Welle häufig einseitig an; dann ist die Spaltverteilung anders. Für die tatsächliche Funktion kommen unter anderem Oberflächen, Form, Temperatur und Schmierung hinzu.

Eine H7-Bohrung allein ist deshalb weder grundsätzlich eine Spielpassung noch ein Presssitz. Das Gegenmaß entscheidet mit. Als konkretes anderes Produktbeispiel empfiehlt Ganter für bestimmte Positionierbuchsen eine H7-Aufnahme zusammen mit einem n6-Außendurchmesser und beschreibt diese Kombination als Übergangspassung.

Durchmesser ist nicht gleich Rundheit oder Lage

Eine einzelne Messung erfasst nur die durch das Messverfahren zugängliche Größe an einer bestimmten Stelle. Eine Bohrung kann in verschiedenen Tiefen unterschiedliche Durchmesser haben oder in verschiedenen Richtungen anders ausfallen. Auch eine passend große Bohrung kann zur Bezugsfläche falsch positioniert oder schief ausgerichtet sein.

Maß-, Form- und Lageanforderungen müssen deshalb getrennt gelesen werden. Zusätzliche Zeichnungsangaben und die angewendeten Spezifikationsregeln bestimmen, was nachzuweisen ist. Aus einer H7-Angabe darf nicht ohne Weiteres perfekte Rundheit, Zylindrizität oder eine bestimmte Achslage abgeleitet werden. Eine vollständige Konstruktionszeichnung benennt die funktionsrelevanten Anforderungen.

Prüfmittel passend zur Aufgabe auswählen

Für enge Bohrungstoleranzen kommen je nach Aufgabe Innenmessgeräte, Innenmessschrauben, geeignete Lehren oder koordinatenmesstechnische Verfahren infrage. Messbereich, Zugänglichkeit, Tiefe und Messkontakte müssen passen. Mahr zeigt beispielsweise selbstzentrierende Innenmessgeräte mit definierter Messkraft und Zentrierbrücke. Diese Eigenschaften unterstützen reproduzierbare Messungen; sie ersetzen keine Prüfung der konkreten Messaufgabe.

Die letzte angezeigte Dezimalstelle eines Digitalgeräts ist nicht seine Messunsicherheit. Ein Messschieber mit 0,01-mm-Anzeige ist daher nicht allein aufgrund dieser Anzeige für eine 0,021-mm-Toleranz geeignet. Geräteeigenschaften, Einstellung, Temperatur, Ausrichtung, Oberfläche und Bedienung gehen in die Bewertung ein. Bei Vergleichsmessungen wird ein geeigneter, rückgeführter Einstellbezug verwendet.

Beispiel zur Messunsicherheit

Angenommen, eine Messung ergibt 20,019 mm und für die konkrete Aufgabe ist eine erweiterte Messunsicherheit von 0,003 mm ermittelt. Das zugehörige Intervall reicht rechnerisch von 20,016 bis 20,022 mm. Der Messwert liegt innerhalb der H7-Grenzen, das Intervall reicht aber über 20,021 mm hinaus.

Daraus folgt nicht automatisch, dass das Teil sicher Ausschuss ist. Es zeigt, dass die Konformitätsentscheidung nicht allein am angezeigten Wert hängen darf. Die vereinbarte Entscheidungsregel legt fest, wie die Messunsicherheit berücksichtigt wird. Ein einfaches Lehrbeispiel mit vollständig innerhalb der Grenzen liegendem Unsicherheitsintervall wäre 20,010 ±0,003 mm. Auch dann müssen die übrigen geforderten Merkmale geprüft sein.

Praktischer Ablauf in der Werkstatt

  1. Grenzmaße und zusätzliche Zeichnungsanforderungen vor der Bearbeitung bestimmen.
  2. Bearbeitungsfolge mit geeigneter Endbearbeitung planen, beispielsweise Ausdrehen oder Reiben, sofern zur Aufgabe passend.
  3. Werkstück reinigen, Grate entfernen und temperaturbedingte Unterschiede berücksichtigen.
  4. Mehrere vereinbarte Tiefen und Richtungen messen; auffällige Unterschiede untersuchen.
  5. Messwerte, Prüfmittelbezug und Freigabeentscheidung dokumentieren.

So wird die Maßhaltigkeit nachvollziehbar bewertet. Für Baugruppen mit Distanzbuchsen ist zusätzlich zu prüfen, welche Fläche tatsächlich zentriert und welche lediglich den Abstand festlegt.

Quellen

Geprüft am 28. Oktober 2026. Zahlenbeispiele sind eigene, vereinfachte Rechenbeispiele.

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