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Silikonkautschuk: RTV-2 auswählen, dosieren und Abformfehler vermeiden

Silikonkautschuk ist ein Elastomer, das im Modellbau besonders für flexible Abformungen, Dichtungen und elastische Hilfsteile interessant ist. Nach der Vernetzung lässt es sich verformen und kehrt innerhalb seiner Belastungsgrenzen weitgehend in die Ausgangsform zurück. Die Bezeichnung allein beschreibt jedoch noch kein konkretes Eigenschaftsprofil: Härte, Weiterreißwiderstand, Viskosität und Temperaturbeständigkeit hängen von der gewählten Rezeptur und Verarbeitung ab.

RTV-2 ist ein System, kein universelles Mischrezept

RTV-2 bezeichnet zweikomponentige, bei Raumtemperatur vernetzende Silikonkautschuke. Bei additionsvernetzenden Systemen entsteht während der Vernetzungsreaktion kein flüchtiges Spaltprodukt. Kondensationsvernetzende Abformmassen setzen dagegen typischerweise ein flüchtiges Reaktionsprodukt frei; dadurch kann Schwund entstehen. WACKER und R&G erläutern diese Unterscheidung in ihren Unterlagen zum Formenbau.

Ein additionsvernetzendes Material wird deshalb häufig für maßkritische Abformungen gewählt. „Kein chemischer Schrumpf“ bedeutet aber nicht, dass jede fertige Form unter allen Bedingungen dimensionsgleich bleibt. Temperaturänderung, Verformung, Eigengewicht und die später eingefüllte Gießmasse beeinflussen das Ergebnis ebenfalls. Die gesamte Prozesskette ist zu betrachten.

RTV-1-Dichtmassen, RTV-2-Abformmassen und industriell heißverarbeitete Silikone sind nicht beliebig austauschbar. Eine Kartuschenmasse für eine Fuge ist kein automatisch geeigneter Ersatz für eine dickwandige Präzisionsform. Maßgebend sind die Angaben zur konkreten Anwendung im aktuellen Produktdatenblatt.

Welche Eigenschaften sind für eine Form wichtig?

Die Shore-Härte beschreibt den Widerstand gegen Eindrücken unter einem festgelegten Prüfverfahren. Sie ist nicht mit Zugfestigkeit oder Weiterreißwiderstand gleichzusetzen. Zwei Materialien mit ähnlicher Härte können sich beim Entformen einer dünnen Rippe deutlich unterschiedlich verhalten. Bei starken Hinterschneidungen zählen neben Dehnbarkeit vor allem die Geometrie und die Belastung an scharfen Übergängen.

Eine weichere Form erleichtert manche Entformung, kann aber unter Eigengewicht oder Gießdruck stärker ausweichen. Eine passende Stützform kann die Geometrie stabilisieren. Eine festere Masse hält ihre Gestalt besser, ist dafür nicht zwangsläufig leichter von einem komplexen Urmodell zu lösen. Die Wahl folgt dem Modell und dem Reproduktionsverfahren, nicht dem Grundsatz „weicher ist immer besser“.

Dosierbeispiel: 9 zu 1 nach Masse

Angenommen, ein ausgewähltes System verlangt A:B = 9:1 nach Masse. Dieses Verhältnis findet sich beispielsweise für ELASTOSIL M 4601 in den verlinkten WACKER-Unterlagen. Für einen geplanten Gesamtansatz von 500 g sind zehn Anteile zu verteilen:

A = 500 · 9/10 = 450 g
B = 500 · 1/10 = 50 g.

Wer dagegen bereits 500 g A abgewogen hat, benötigt B = 500/9 ≈ 55,56 g; der Gesamtansatz beträgt dann etwa 555,56 g. „500 g Mischung“ und „500 g Grundkomponente“ sind unterschiedliche Aufgaben. Auch 10 Prozent von A wären in diesem Fall nicht richtig: 50 g B zu 500 g A ergäben 10:1.

Ein Massenverhältnis wird nicht ungeprüft mit Messbechern als Volumenverhältnis umgesetzt. Unterschiedliche Dichten verändern die Anteile. Produktvorgabe, Waagenauflösung, Tara und eine ausreichende Ansatzgröße müssen zusammenpassen. Mehr Komponente B ist bei einem Additionssystem kein allgemeines Mittel, um schneller auszuhärten.

Abformung in vier Stationen

Silikonabformung mit definierter Dosierung und PrüfungEigene schematische Darstellung in vier einzeln anwählbaren Stationen, ohne Maßstab.1 · Urmodell testenKontaktprobe vor der großen Form2 · Komponenten wiegenA: 450 gB: 50 g3 · Mischen und gießenHomogenität und Luftblasen beachten4 · Vernetzung prüfenZeit · Temperatur · Kontaktfläche

Station 1 von 4

Urmodell, Beschichtung und Trennmittel mit dem vorgesehenen Silikonsystem in einer kleinen Kontaktprobe prüfen.

  1. Urmodell, Beschichtung und Trennmittel mit dem vorgesehenen Silikonsystem in einer kleinen Kontaktprobe prüfen.
  2. Im Beispiel verlangt ein 500-g-Gesamtansatz bei 9:1 nach Masse genau 450 g A und 50 g B. Andere Produkte können andere Verhältnisse benötigen.
  3. Nach Herstelleranleitung homogen mischen und Lufteintrag begrenzen. Auch Rand und Boden des Mischgefäßes einbeziehen.
  4. Erst nach ausreichender Vernetzung entformen und Kontaktflächen sowie dünne Details beurteilen.

Eigene Prinzipskizze. „Weiter“ zeigt die Stationen einzeln. „Start“ spielt sie automatisch ab; „Pause“ hält die Animation an. Die Schaltflächen sind auch mit der Tastatur bedienbar.

Urmodell und Mischvorgang vorbereiten

Für eine Abformung werden Trennlinie, Einguss, Entlüftung und ausreichende Wandstärken vor dem Ansetzen festgelegt. Poröse oder beschichtete Urmodelle können eine geeignete Vorbehandlung benötigen. Ob Versiegelung und Trennmittel erforderlich und verträglich sind, wird mit dem konkreten Material geprüft. Eine unbekannte Beschichtung auf dem Originalmodell ist ein guter Grund für eine kleine Vorprobe.

Die Komponenten werden nach Produktanleitung vorbereitet, exakt dosiert und gründlich vermischt. Bereiche an Gefäßwand und Boden dürfen dabei nicht unberücksichtigt bleiben. Eine sichtbare einheitliche Farbe kann beim Mischen helfen, beweist jedoch nicht jede chemische Homogenität. Das Gießen muss innerhalb der vorgesehenen Verarbeitungszeit erfolgen; diese ist von Temperatur und Produkt abhängig.

Wenn ein Vakuumentlüften vorgesehen ist, werden dafür geeignete Geräte, ausreichend Gefäßreserve und das vom Hersteller beschriebene Verfahren verwendet. Die Masse kann beim Entlüften deutlich aufsteigen. Ein improvisiertes, nicht dafür ausgelegtes Gefäß ist ungeeignet. Die notwendige Vorbereitung sollte abgeschlossen sein, bevor beide Komponenten zusammentreffen.

Inhibierung: außen fest, am Modell klebrig

Bestimmte Stoffe können bei platinvernetzenden Silikonen die Reaktion stören. WACKER nennt unter anderem schwefelhaltige Stoffe, bestimmte Amine und zinnhaltige Verbindungen als mögliche Auslöser. Eine Kontaktfläche kann dadurch klebrig bleiben, obwohl eine freie Materialprobe aus demselben Ansatz vernetzt ist. Mehr Wartezeit beseitigt eine solche Unverträglichkeit nicht zwangsläufig.

Ein nachvollziehbarer Test verwendet eine kleine Menge desselben Ansatzes auf dem vorbereiteten Urmodell und eine getrennte Kontrollprobe in einem geeigneten sauberen Gefäß. Vernetzt die Kontrolle, die Kontaktprobe aber nicht, wird gezielt das Zusammenspiel von Oberfläche, Trennmittel und Silikon untersucht. Bleiben beide weich, werden zunächst Mischungsverhältnis, Vermischung, Lagerzustand und Verarbeitungsbedingungen geprüft. Das ist eine Eingrenzung möglicher Ursachen, keine alleinige Fehlerdiagnose.

Temperaturbeständigkeit richtig bewerten

Silikonrezepturen können einen breiten Temperaturbereich abdecken; daraus folgt keine einheitliche zulässige Temperatur für alle Abformmassen. Dauerbelastung, kurzzeitige Temperaturspitze und Temperatur während der Vernetzung sind verschiedene Angaben. Für eine Dichtung kommen außerdem Medium, Druck, Verformung und Alterung hinzu. Ein nur als Abformmaterial beschriebenes Produkt ist nicht automatisch als technische Heißdichtung qualifiziert.

Auch beim Abguss kann die Reaktionswärme des Gießharzes wichtig sein. Ein kleiner Probekörper und ein massiver Abguss erzeugen nicht denselben Temperaturverlauf. Die Grundidee kontrollierter Bedingungen beschreibt der Beitrag zum Temperaturmanagement. Für Lebensmittelkontakt oder andere besondere Anwendungen ist eine passende produkt- und anwendungsbezogene Eignung erforderlich; die Materialbezeichnung „Silikon“ allein genügt nicht.

Die erste Form als Prozessprobe nutzen

Eine erste Abformung wird auf Blasen, unvollständig vernetzte Bereiche, Risse und die Wiedergabe wichtiger Details geprüft. Die spätere Kopie wird mit dem Urmodell beziehungsweise den geforderten Maßen verglichen. Verformt sich die Form beim Befüllen, helfen weder eine noch genauere Waage noch ein anderes Mischverhältnis; dann muss die Formkonstruktion betrachtet werden.

Notieren Sie Produkt, Charge, Ansatzmassen, Temperatur, Mischbeginn und Entformzeit. Zusammen mit dem verwendeten Urmodell und Gießmaterial entsteht eine brauchbare Rückverfolgbarkeit. Sie erleichtert die Wiederholung einer gelungenen Form und die gezielte Untersuchung späterer Abweichungen.

Quellen

Geprüft am 28. Oktober 2026. Zahlenbeispiele sind eigene, vereinfachte Rechenbeispiele.

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